ÖGB-Csörgits: Offensive Strukturpolitik durch Kindergeld?

Geschlechtsspezifische Einkommensschere wird dank Kindergeld weiter anwachsen

Wien (ÖGB). "Das Kindergeld als Maßnahme einer offensiven Strukturpolitik zu verkaufen, halte ich für eine Täuschung der Bevölkerung. Die neun Milliarden an Mehrausgaben hätte man für den Standort Österreich, vor allem aber für die Frauen weit besser einsetzen können", kommentiert die ÖGB-Frauenvorsitzende und Vizepräsidentin Renate Csörgits die gestern von der Bundesregierung vorgestellte Strukturoffensive zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes. Durch einen Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen und die Umsetzung des Karenzmodells der ÖGB-Frauen wäre den Interessen der Frauen weit mehr gedient, so Csörgits weiter. ++++

Das Kindergeld verschärft die Probleme der Frauen auf dem Arbeitsmarkt, ist die ÖGB-Frauenvorsitzende überzeugt. "Schon jetzt haben Frauen nach einer Babypause bei der Rückkehr ins Berufsleben große Probleme. Die Einkommensunterschiede gehen zu einem beträchtlichen Teil auf die Berufsunterbrechungen zurück", erklärt Csörgits. Die mit dem Kindergeld erfolgte Ausweitung der Karenzzeit würde diese Schwierigkeiten verstärken - ein noch stärkeres Abdrängen der Frauen in atypische Beschäftigungsverhältnisse und das weitere Anwachsen der geschlechtsspezifischen Einkommensunterschiede könnten die Folge sein.

Nötig wäre stattdessen ein Karenzmodell, dass Frauen die Rückkehr in das Berufsleben erleichtere und genügend Anreize für eine partnerschaftliche Teilung der Betreuungsarbeit biete. "Wir ÖGB-Frauen haben mit Karenzgeld PLUS ein derartiges Modell erarbeitet: Ein einkommensabhängiges Karenzgeld in Höhe von mindestens 8.437 Schilling und maximal 15.087 Schilling, bei dem es sich auch junge Väter 'leisten' könnten, zugunsten der Babybetreuung für eine Zeit aus dem Beruf auszusteigen", bietet Csörgits das ÖGB-Modell der Regierung zur Umsetzung an.
Die ÖGB-Frauen fordern zudem die Bereitstellung von Bundesgeldern zum flächendeckenden Ausbau von Kinderbetreuungseinrichtungen. Csörgits:
"Auch Karenzgeld PLUS und eine Kindergartenmilliarde aus Bundesmitteln würden sich positiv auf die Kaufkraft der Familien und die Ankurbelung der Wirtschaft auswirken - und, anders als beim Kindergeld, hätten auch die Frauen langfristig was davon." (mfr)

ÖGB, 5. September 2001 Nr. 711

Rückfragen & Kontakt:

Mag. Martina Fassler-Ristic
Tel. (01) 534 44/480 DW
Fax.: (01) 533 52 93ÖGB Presse und Öffentlichkeitsarbeit

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NGB/NGB