Peymann als "Josefstadt"-Chef?

Vorausmeldung zu NEWS 36/01 v. 6.9.2001

Wien (OTS) - Ex-"Burg"-Chef bestätigt Interesse: "Viele Anfragen aus Wien, unklare Budgetsituation in Berlin" - "Josefstadt muss von Grund auf verändert werden": Wiens Traditionsbühne als Autorentheater? - Peymann verweist auf Ausstiegsklausel im Berliner Vertrag.

Claus Peymann als Direktor des Theaters in der Josefstadt in der Lohner-Nachfolge ab Herbst 2003? In der morgen erscheinenden Ausgabe des Wochenmagazins NEWS nimmt der legendäre Ex-"Burg"-Chef und derzeitige Intendant des Berliner Ensembles zu entsprechenden Informationen Stellung und bestätigt dabei prinzipielles Interesse:
"Ich werde permanent darauf angesprochen, daß ich zurückkommen soll. Es ist schon erstaunlich, dass man mit einer Theaterarbeit solche Spuren in den Herzen sehr vieler Zuschauer hinterlassen kann. (...) Ich kann nicht verhehlen, dass die vielen Zurufe aus Wien bei mir nicht ohne Wirkung bleiben. Aber im Moment steht im Zentrum meiner Überlegungen das Berliner Ensemble und der erfolgreiche Beginn dieser Arbeit. Die Situation in Berlin ist allerdings vage geworden. Auch, was die Subvention angeht, ist die Situation unklar und angstmachend (...) Wenn die Subventionen nochmals eingefroren werden, ist es sinnlos, weiterzuarbeiten."

Peymann verweist auf eine Ausstiegsklausel in seinem Berliner Vertrag. Der, an sich noch drei Jahre laufend, kann schon in zwei Jahren - also zu Beginn der neuen "Josefstadt"-Ära - gelöst werden.

Peymann nimmt im NEWS-Interview auch ausführlich zur Situation der Wiener Traditionsbühne Stellung: "Das Publikum ist vergreist, ein über Jahre verschnarchtes Theater hat die Verbindung zum jungen Publikum völlig verloren. Alle einschlägigen Anstrengungen von Schenk oder Lohner waren sehr fragmentarisch und wurden schnell abgebrochen. (...) Wenn man sich dieses berühmte Reinhardt-Theater überhaupt leisten will und kann, müsste es ja ganz und gar neu gesehen werden. (...) Ich glaube ja nicht, dass das Haus verloren ist. Es hat nur keinen Zweck, einmal pro Spielzeit ein Licht anzuzünden und ansonsten den Schlendrian weiterzuführen. Die "Josefstadt" muss von Grund auf verändert werden. Sie ist ja auch noch ein völlig verschuldetes Haus. Was wurde da nicht von der intakten Theaterwelt geredet und gegen mein Burgtheater ausgespielt! Das musste allerdings nie entschuldet werden, während die "Josefstadt" ein heruntergewirtschaftetes Bankrottunternehmen ist. Und all das betrifft ein Haus, in dem immer nur kommerzielles Theater gespielt wurde!"

Die Vorgaben Raimund, Nestroy, Schnitzler und Horvath will Peymann im NEWS-Gespräch nicht a priori akzeptieren: "Ich lasse mich ungern auf die Klassiker-Litanei festlegen. Theater muss über Inhalte funktionieren, nicht über das Geographisch-Nationale. Ich glaube eher, dass das zeitgenössische österreichische Drama in Wien wieder eine Heimat braucht. Es spielt ja in der neuen Burgtheater-Direktion praktisch keine Rolle. Hier bietet sich ein enormes freies Feld an. Vielleicht ist ja die 'Josefstadt' das Theater, in dem Handke, Jelinek, Turrini und Ransmayr ihre Heimat finden sollten. Der ganze Raum verlangt nach Autorentheater."

Kunst-Staatssekretär Morak, ein dezidierter Gegner Peymanns, wollte die Causa auf NEWS-Anfrage nicht kommentieren.

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