Der Arzt wird immer mehr zum "Gesundheitsmanager"

Steigende Bedeutung der Präventivmedizin - Neuer Lehrgang der Ärztekammer

Wien (OTS) - 27 Prozent der Wiener Bevölkerung sind chronisch krank, darunter 31 Prozent Frauen und 22 Prozent Männer. Hauptverursacher sind ungesunde Ernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht, Rauchen, Alkohol und Streß. Um dem wirkungsvoll entgegenzutreten, wurde von der Wiener Ärztekammer eine spezielle ärztliche Ausbildung für Präventivmedizin ins Leben gerufen. ****

Rund 80 Prozent der Bevölkerung suchen mindestens einmal jährlich einen Arzt auf. Daher sind Ärztinnen und Ärzte besonders dazu geeignet, Patienten über die Wirkung präventiver Maßnahmen aufzuklären und dazu zu motivieren, ihren Lebensstil langfristig zu ändern. Ärztekammerpräsident Prim. MR Dr. Walter Dorner: "Der Arzt soll hier als Gesundheitsmanager fungieren, der nicht nur Medikamente verschreibt und gute Tips gibt, sondern für den interessierten Patienten ein ganzes Programm zur besseren Lebensqualität zusammenstellt."

Der moderne Arzt wird daher immer mehr zum persönlichen Gesundheitsmanager für seine Patienten. Dorner: "Es muß nicht immer ein Medikament sein, das verschrieben wird. Ärzte müssen ihren Patienten verständlich machen, daß Tabletten kein Allheilmittel sind, sondern daß durch Bewegung und gesünderes Essen jeder Einzelne sehr viel für seine Gesundheit beitragen kann." Allgemeine Ratschläge wie "Rauchen Sie weniger", "Nehmen Sie ab und bewegen Sie sich regelmäßig", "Essen Sie weniger fett und trinken Sie weniger Alkohol" reichten hier nicht aus. Diese Ratschläge seien zu abstrakt und kommen beim Betroffenen meistens nicht an. Dorner: "Hilfreich sind Ratschläge immer nur dann, wenn sie praxisbezogen sind."

Ausbildung in Präventivmedizin

Der Lehrgang in Präventivmedizin, den die Wiener Ärztekammer in Zusammenarbeit mit der Gesellschaft für präventive Medizin und Ernährung für Ärztinnen und Ärzte entwickelt hat, soll den Arzt daher zum Gesundheits- und Lebensstilberater ausbilden. Der Lehrgang startet am 7. September 2001 in den Sportanlagen auf der Schmelz und im Donauspital.

Die Inhalte des Kurses beziehen sich auf die Erhebungsinstrumentarien in der Prävention, richtiges Bewegen als Prävention, Zivilisationserkrankungen, die Wirbelsäule im Alltag, Bodycomposition, Ernährungsepidemiologie und die gesunde Ernährung im Alltag. Die Hauptthemen der Ausbildung Bewegung, Haltung und Ernährung werden sowohl in Theorie als auch ganz besonders für die Praxis vermittelt.

Lebensstilbedingte Erkrankungen

Wissenschaftliche Abhandlungen über Prävention weisen schon lange auf die Relevanz des Zusammenhangs von Bewegung, Haltung und Ernährung hin. Dabei wird als Gradmesser für den Erfolg von präventiven Maßnahmen sehr häufig die Senkung der Sterblichkeitsrate und die Zahl der verlorenen Lebensjahre angesehen. Dorner:
"Tatsächlich ist aber nicht die Mortalität als wichtigster Parameter präventiver Maßnahmen zu sehen, sondern die Erhaltung der Gesundheit und der Mobilität bis ins hohe Alter."

Werden die letzten Jahre des Lebens pflegebedürftig und mit Behinderung verbracht, so ist dies nicht nur für den Einzelnen tragisch, sondern auch volkswirtschaftlich von enormer Bedeutung. Dorner: "Im Zeitalter einer hochtechnisierten, aber dadurch sehr kostenintensiven Medizin und bei abnehmenden finanziellen Ressourcen der Krankenkassen stellt die Prävention eine politische und ökonomische Notwendigkeit dar und wird dadurch zentrales Thema der Gesundheitspolitik." Der Slogan für alle laute: "Übernehmt Verantwortung für Eure Gesundheit!", denn, so Dorner weiter, "die Verantwortung für seinen Lebensstil kann niemand nur an die Regierung, die Versicherung oder die Mediziner abschieben".

Darüber hinaus betonte der Ärztekammerpräsident, daß durch effektive Präventionsarbeit die Kosten der Behandlung von Krankheiten, deren Ursache in mangelnder körperlicher Aktivität zu suchen sind, gesenkt werden könnten. Dorner: "Hier ist beispielsweise der Lebenseinkommensentgang aufgrund eines frühzeitig eintretenden Todes zu nennen, nebenbei entstehen Kosten für Waisen- und Witwenversorgung. Die Kosten für stationäre Spitalsaufenthalte und ambulante Behandlungen sind weiter im Steigen begriffen und verursachen Leistungskürzungen wie Selbstbehalte und Gebührenerhöhungen für alle." Auch der Entfall des Produktionsbeitrags beziehungsweise des Einkommens durch Krankenstände, Arbeitsunfähigkeit oder Erwerbsminderung sei volkswirtschaftlich gesehen enorm, so Dorner. (bb/hpp)

(Forts.)

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