"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Schwachstelle"

(Von Monika Dajc) Ausgabe vom 5. 9. 2001

Innsbruck (OTS) - Um Österreichs Außenpolitik geht es ab heute bei der Jahrestagung der Botschafter am Semmering. Das Durchstarten zu größeren Horizonten wäre überfällig. Doch die Zweifel, dass es dazu kommt, sind beträchtlich. An den Damen und Herrn, die rund um den Erdball auf Posten sind, liegt es nicht. Wohl aber an der heimischen Personal- und Regierungskonstellation.

Ressortchefin Ferrero-Waldner hat sich in den frostigen Monaten der Sanktionen tapfer geschlagen. Danach war sie aber nicht in der Lage, die Türe zu überfälligen Erfolgserlebnissen zu öffnen. Jeder Auftritt der Europäerin Ferrero-Waldner steht im Schlagschatten eines Koalitionspartners, der die EU in möglichst engen und dichten Grenzen halten möchte. Vor diesem Hintergrund hatten sich die Beitrittswerber ringsum schon längst enttäuscht abgewandt, ehe sie der Ballhausplatz als mögliche Partner neuer Allianzen entdeckte. Und im übrigen Europa dominiert weiter die Skepsis. Alpenland und Donauanrainer - Österreich hätte in die laufende EU-Debatte viel einzubringen. Doch es bleibt bei der im Wochentakt von der FPÖ erhobenen, von der ÖVP abgewehrten Forderung nach Volksabstimmung oder Volksbefragung und der ausgereizten Temelindebatte.

Auch der Ehrgeiz - oder gute Wille des Bundespräsidenten - als Türöffner zu fungieren, brachte bisher wenig an handfesten Ergebnissen. Schöne Bilder aus dem Oman oder Russland können nicht darüber hinwegtäuschen, dass Österreich ein dichtes Netz freundschaftlicher Kontakte in seinem unmittelbaren Umfeld braucht, um die Zukunft für seine Interessen zu nützen.

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