Nicht selbst in die Suppe spucken

WirtschaftsBlatt-Kommentar von Gerald Stefan

Wien (OTS) - Nein, amüsant ist es nicht, jede Woche neue Hiobsbotschaften von Unternehmen und Wirtschaftsforschern zu erhalten. Österreichs Industrie hat Einbrüche bei den Aufträgen? Wachstum in Deutschland nur noch 1,2 Prozent? Zehntausende Jobs weg bei Toshiba? Compaq und HP wollen fusionieren, weil ihnen als Antwort auf die IT-Krise nichts anderes einfällt? Nicht erfreulich, aber die einzig vernünftige Reaktion lautet: ruhig bleiben. Konjunktur ist, was man daraus macht. Schliesslich ist es eine Frage der Psychologie:
Der Herbst ist ins Land gezogen und Österreich macht auf Krise, weil es zum Wetter passt - obwohl es uns, objektiv gesehen, deutlich besser geht als den grossen Nachbarn Italien und Deutschland. Freilich gibt es fundamentale Probleme, die man nicht leugnen darf. Die USA etwa haben nicht Jahre, sondern ein Jahrzehnt starken Wachstums hinter sich. Zuletzt auf Kosten späterer Generationen: Eine negative Sparquote bedeutet, sich zu verschulden, um das Konsumniveau halten zu können. So mancher geländegängige Chrom-Kreuzer wird jetzt bitter abbezahlt - trotz Steuergeschenken wird Amerika einige Zeit brauchen, um da wieder rauszukommen. Mit etwas Verzögerung schlägt das zu uns durch. Zum Zweiten haben wir es mit einer Strukturkrise zu tun. Der Crash der New Economy spielte sich nicht im Internet ab, sondern schlug auf die Computerindustrie durch. Und die hat nichts mit der Zukunft zu tun, sondern - was Umsatz und Jobs betrifft -schon jetzt die Gewichtsklasse der Autobranche erreicht. So was spüren dann halt alle. Trotzdem: Solange die Wirtschaft nicht ernsthaft schrumpft, bleiben wir am besten gelassen, stellen zwar keine aberwitzigen Pläne für das nächste Jahr auf, hüten uns aber auch vor jenem Pessimismus, der den einzigen Notfall auslösen würde:
Dass die Österreicher aufhören, brav und zuverlässig zu konsumieren. Das haben sie in Zeiten der Flaute bisher immer getan. Natürlich sollten die Unternehmer für schlechte Zeiten vorgesorgt haben: nicht zuviel Schulden gemacht, Notfallpläne für den Ausfall von Grosskunden aufgestellt, stabile Umsatzbringer entwickelt. Aus ihrer Firma ein stabiles Haus gebaut, dass nicht beim ersten kalten Lufthauch umfällt. Aber das ist es auch schon. Solange wir das Wort "Krise" wie selbstverständlich aussprechen, obwohl wir bloss langsamer wachsen, haben wir gar keine. (Schluss) gst

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