ÖGB: Bartensteins Zynismus kaum noch zu überbieten!

Den über 8.000 lehrstellensuchenden Jugendlichen ihre Situation als "international erfreulich" zu erklären entlarvt die Realitätsverweigerung des Wirtschaftministers, sind ÖGB und Gewerkschaftsjugend empört

Wien (ÖGJ/ÖGB). Die heute präsentierten Arbeitsmarktzahlen und hier im Speziellen die Lehrlingszahlen, sollten bei der Bundesregierung die Alarmglocken läuten lassen, stellt Alexander Prischl, Bildungsexperte des ÖGB fest. "Einerseits wird der Fachkräftemangel bejammert, aber Regierung und Wirtschaft verabsäumen entsprechende Taten zu setzen." Er empfiehlt dem Wirtschaftsminister die AMS Studie "Lehrlinge und FacharbeiterInnen am Arbeitsmarkt" aus dem Juni dieses Jahres einmal aufmerksam zu lesen.++++

Den österreichweit 8.102 lehrstellensuchenden Jugendlichen stehen nur 3.923 offene Lehrstellen gegenüber. "Hier sind jedoch jene Jugendliche, die sich schon in Überbrückungsmaßnahmen befinden, aber natürlich auch weiter auf der Suche nach einer Lehrstelle sind, noch gar nicht mitgerechnet", präzisiert Prischl die AMS-Zahlen.

Von den aktuellen Zahlen ausgehend und die rund 3.000 Jugendlichen in Überbrückungsmaßnahmen und jugendliche ArbeitslosengeldbezieherInnen hinzurechnend, sind derzeit über 11.000 Jugendliche für das schon laufende Ausbildungsjahr noch ohne Lehrplatz. "Geht man von den noch kommenden Lehrstellenangeboten im Vergleich zum Vorjahr aus, so kann man von 4.000 Jugendlichen ausgehen, die unterm Strich nicht am Lehrstellenmarkt unterkommen werden", schätzt der ÖGB-Experte den Bedarf an zusätzlichen Plätzen in Maßnahmen.

Zwiti: Gewerkschaftsjugend spricht von Schlag ins Gesicht der Betroffenen

Angesichts dieser 4.000 Jugendlichen von einer im internationalen Vergleich positiven Lage zu sprechen ist ein Schlag in das Gesicht der Betroffenen und deren Eltern. "Den Jugendlichen, die keinen Lehrplatz haben, zu erklären, international gesehen geht es ihnen eh noch gut, ist an Zynismus wohl kaum noch zu überbieten", kritisiert Albert Maringer, Bundesvorsitzender der Österreichischen Gewerkschaftsjugend (ÖGJ) die Aussagen des Wirtschaftsministers.

Vielmehr ist die Bundesregierung gefordert das erfolgreiche Auffangnetz für Jugendliche zu verlängern und die dafür notwendigen 500 Millionen Schilling zur Verfügung zu stellen. "Diese Mittel sind aus den letzten Maßnahmen für Jugendliche noch übrig und sollten weiterverwendet und nicht dem Null-Defizit geopfert werden", fordert Maringer zum Handeln auf.

ÖGB, 4. September 2001
Nr. 708

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