58. Filmfestspiele von Venedig mit ORF-Beteiligung

ORF-geförderter Kinofilm "Hundstage" von Ulrich Seidl feierte Premiere

Wien (OTS) - "Hundstage", der österreichische, vom ORF mitfinanzierte Beitrag im Wettbewerb der 58. Filmfestspiele von Venedig, hatte gestern, am Montag, dem 3. September 2001, im Palazzo del Cinema seine Galapremiere. Mit minutenlang anhaltendem Beifall würdigte das Festival-Publikum Ulrich Seidls jüngstes Werk, mit dem der bisher für seine provokanten Dokumentarfilme wie "Good News", "Trügerische Liebe" oder "Models" bekannte und mehrfach preisgekrönte Filmemacher sein kontroverses Spielfilmdebüt gibt. Bereits bei der sehr gut besuchten ersten Pressevorführung am Tag davor erntete "Hundstage" den durchaus seltenen Applaus von internationalen Medienvertretern. Heinrich Mis, Leiter der Abteilung Fernsehfilm der ORF-TV-Kultur, gratuliert Ulrich Seidl und seinem Film zur Wettbewerbsteilnahme: "Mit so einem anspruchsvollen und eindeutig österreichischen Film in Venedig zu sein, ist unglaublich erhebend. Ich bin von 'Hundstage' persönlich tief bewegt und stolz auf Ulrich Seidl und den ORF. Bei fast allen bisherigen Filmen Seidls war der ORF mit dabei - entweder als Auftraggeber oder wie in diesem Fall als substanzieller Förderer. Beim jungen Ulrich Seidl war es das Vertrauen in sein immanentes Talent, mittlerweile ist es das in sein großes Können. Kontinuierliche und konsequente Förderungsstrategien lohnen sich auf lange Sicht", so Mis.
Nach der gestrigen Galapremiere feierten rund 120 Gäste gemeinsam mit Ulrich Seidl und einem großen Teil des Filmteams im Restaurant "Da Nane" auf der venezianischen Insel San Pietro. Auf den "Goldenen Löwen" spekuliert Ulrich Seidl nicht: "Ich bin überhaupt froh über die Wettbewerbseinladung, das ist für mich Bestätigung genug."

Liebe, Einsamkeit und enttäuschte Sehnsüchte
"Hundstage" ist eine aus sechs losen, fragmentarischen Episoden verdichtete Milieustudie, die umbarmherzig ans Licht bringt, was sich in der trügerischen Stille eines hochsommerlichen Wochenendes - den so genannten Hundstagen - hinter den Fassaden kleinbürgerlicher Durchschnittlichkeiten verbirgt. Seidls zentrale Themen darin sind Liebe, Einsamkeit, enttäuschte Sehnsüchte und die Schrecklichkeit des Alltags. Das Drehbuch zum Film, das Seidl gemeinsam mit der Journalistin Veronika Franz verfasste, bestand nur aus Szenenbeschreibungen, keinen geschriebenen Dialogen. Diese wurden improvisiert. Die Dreharbeiten zum Film erstreckten sich auf Grund der notwendigen Wetterbedingungen, der titelgebenden "Hundstage", in etwa auf drei Jahre. Die Stärke seines jüngsten Werks liegt laut Regisseur Ulrich Seidl in der Authentizität: Die Hauptrollen - neben den professionellen Schauspielern Maria Hofstätter und Georg Friedrich - sind alle mit Laiendarstellern besetzt, teilweise spielen sie sich sogar selbst. "Ich mache keinen Unterschied zwischen Schauspielern und Nichtschauspielern", kommentiert Seidl seine Arbeit. "Die Kriterien sind für mich authentische Milieuwidergabe. Ich habe bei meinen früheren Filmen mit Nichtschauspielern die besten Erfahrungen gemacht. Und bei 'Hundstage' ging es darum, diese Erfahrung noch extremer mit reiner Fiktion zu verbinden. Der Anspruch war, dass man im fertigen Film zwischen Schauspielern und Nichtschauspielern nicht unterscheiden wird können. Ich glaube, das ist uns gelungen."
Die Figuren - von der geistig gestörten Autostopperin über einen Vertreter für Alarmanlagensyteme bis zum gewalttätigen Swingerclub-Besitzer - sind aus dem Leben gegriffen: Seidl hat sie aus einem jahrelang gesammelten Fundus an Beobachtungen von Menschen weiterentwickelt, die er im Rahmen seiner bisherigen Arbeiten machen konnte. "Durch die Authentizität des Films und der Figuren schafft man es auch, den Zuschauer in eine Welt hineinzuziehen. Es wird ihm nicht so leicht gemacht, sich ins Kino zu setzen, um sich eine Welt vorführen zu lassen, sondern er wird hineingezogen und muss sich dabei mit sich selber konfrontieren", meint Seidl. Dass in dieser Welt Einsamkeit, Sprachlosigkeit, Leid und Gewalt wesentliche Bestandteile sind, erklärt der Filmemacher wie folgt: "Was soll man schon über das Glück erzählen? Das Leben handelt nicht vom Glück, höchstens von der Suche danach und von der Enttäuschung darüber, dass das Glück nicht oder nur selten erreicht werden kann. Vielleicht ist deshalb auch unser Alltag so geprägt von Glücksversprechern, überall - bis in unsere intimsten Bereiche hin - sind die Glücksversprecher an der Arbeit. Man muss sich doch nur die Leute auf der Straße anschauen. Anscheinend lauter glückliche Menschen."

"Hundstage" auch im Hauptbewerb des 26. International Film Festival von Toronto
Der Wettbewerb der 58. Mostra Internationale d'Arte Cinematografica läuft noch bis Samstag, dem 8. September 2001, dann steht auch der Sieger des "Goldenen Löwen" fest. Währenddessen treten Ulrich Seidls "Hundstage" jedoch bereits bei einem weiteren renommierten Filmfestival an: Im Hauptprogramm des 26. International Film Festival von Toronto, des bedeutendsten nordamerikanischen Filmfestivals, das nach den Filmfestspielen von Cannes und Berlin schon das drittgrößte der Welt ist, laufen "Hundstage" ab dem 6. September 2001. Außerdem werden im Rahmen der "Spotlight"-Werkschau drei weitere Filmarbeiten von Ulrich Seidl zu sehen sein: "Mit Verlust ist zu rechnen" (1992), "Tierische Liebe" (1995) und "Models" (1998).

Weitere vom ORF geförderte österreichische Filme im Hauptprogramm in Toronto sind Michael Hanekes Sensationserfolg in Cannes - die gleichnamige Verfilmung des Elfriede-Jelinek-Romans" Die Klavierspielerin" -, ebenso wie Jessica Hausners Spielfilmdebüt "Lovely Rita" und Sandra Nettelbecks "Mostly Martha".

"Hundstage" ist eine Produktion der Wiener Allegro-Film in Koproduktion mit The Coproductino Office/Berlin, hergestellt mit Unterstützung des ORF, des österreichischen Filminstituts, des Wiener Film Fonds sowie des Landes Niederösterreich. Der österreichische Kinostart von "Hundstage" ist für Jänner 2002 geplant.

(Fotos via APA)

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