Offener Brief an Frau Bundesminister Dr. Dipl.Ing. Monika Forstinger betreffend das Projekt Lainzer Tunnel

Wien (OTS) - Sehr geehrte Frau Bundesminister!

Durch Rauchgase in der Wiener U-Bahn wäre es vor wenigen Tagen beinahe zu einer weiteren Tunnelkatastrophe gekommen. Wenngleich zum Glück niemand zu Schaden kam, so zeigt dieser Zwischenfall erneut, wie wichtig die Möglichkeit einer unbehinderten Selbstrettung ist.

In diesem Zusammenhang erlauben wir uns, Ihnen einige Fragen betreffend grobe Sicherheitsmängel des 16 Milliarden-Projekts Lainzer Tunnel zu stellen, zumal Ihre Ankündigung zum Bau dieser umstrittenen Doppelgleisröhre vermuten lässt, dass Ihnen maßgebliche Sachverhalte nicht bekannt geworden sind:

Wussten Sie, dass im Eisenbahnrechtlichen Baugenehmigungsverfahren zum Lainzer Tunnel die Wiener Feuerwehr nur um Teilnahme ersucht worden, nicht aber in der Funktion als Amtsachverständige tätig war?

Wer haftet demnach für Schäden zufolge mangelnder Sicherheit ?

Ist Ihnen bekannt, dass im Lainzer Tunnel mit seinen rund 30 (!) Weichen Güter- und Personenzüge einander jeweils mit bis zu 160 km/h begegnen sollen ?

Haben Ihre Mitarbeiter Sie darüber informiert, dass im Laizer Tunnel keine Belüftungs- und Absaugevorrichtungen vorgesehen und auch nicht nachrüstbar sind ?

Wussten Sie, dass Fahrgäste und Zugspersonal beim Einatmen von Rauchgasen in kürzester Zeit bewusstlos werden?

Ist Ihnen bekannt, dass der Lainzer Tunnel auf halber Strecke einen Tiefpunkt hat und Züge bei Stromabschaltung nicht ins Freie rollen können ?

Haben Ihre Sicherheitsexperten Sie über jene bis zu 80 (!) m hohen Notausstiege für Selbstrettung informiert, die in ca. 500 m Abständen nur an eines der beiden Gleise anbinden - und zwar über eine Tunnelstrecke von 11 km an Gleis 9 ?

Ist Ihnen demnach bekannt, dass der Handlauf entlang des anderen Gleises über ca. 11 km keinen Notausstiegsanschluss hat und bei einem Unfall beide Gleise zu queren sind, um zu einem Notausstieg zu gelangen?

Wussten Sie, dass ein Gehweg von nur 1,27 m Breite ebenso wie die Notausstiege sowohl für Flüchtende, als auch für entgegenkommende Retter vorgesehen sind?

Hat man Sie darüber informiert, dass das Schadensausmaß bei einem Zugsunfall im Tunnel infolge Gegenverkehrs ein Vielfaches eines Unfalls auf freier Strecke ausmacht?

Haben sie gewusst, dass Gutachten international renommierter Fachleute vom einröhrig und zweigleisig geplanten Lainzer Tunnel ohne Rettungsstollen und ohne Absaugevorrichtung dringend abraten ?

Sehr geehrte Frau Bundesminister! Wir stimmen mit Ihnen überein, dass für die Sicherheit von Tunnelbenützern alles getan werden muss.

Dementsprechend muss auch bei der Planung von Eisenbahntunneln die Minimierung des Sicherheitsrisikos oberstes Gebot sein. Rettungsmaßnahmen nach Eintritt eines Unfalles sind eine zweite Sache.

Für weitere Informationen zum geplanten Lainzer Tunnel stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Hochachtungsvoll

Ihre "Plattform Schienenverkehr"
(Anrainerinitiativen Lainzer Tunnel)

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Mag. Franz Schodl
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