"profil": UN-Generalsekretär: Eine UN-Armee wäre ideal

UN-Generalsekretär befürchtet Krieg in Nahost - nur internationale Initiative kann aus der Krise führen - UN-Rassismuskonferenz muss für alle Seiten akzeptable Sprachregelung finden

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" sieht Kofi Annan, der Generalsekretär der Vereinten Nationen, in einer Initiative der "gesamten internationalen Gemeinde" den "einzigen Weg", um die Nahost-Krise zu bewältigen. Annan: "Ich hoffe, dass dies bald passiert." Er befürchte einen regionalen Krieg, wenn der Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern nicht eingedämmt wird.

Zum Streit anlässlich der nun in Durban tagenden UN-Rassismus-Konferenz über Formulierungen, die Israel als rassistisch darstellen, meint Annan: "Wir müssen zur Kenntnis nehmen, dass das jüdische Volk große Leiden in Folge des Holocaust druchmachen musste." Gleichzeitig aber dürfe aber die Situation der Palästinenser eine Tatsache, "die nicht ignoriert werden dürfe". Hier müsse eine für alle Seiten akzeptable Sprachregelung gefunden werden.

Für die Forderung vieler Länder der Dritten Welt nach einer Entschuldigung der ehemaligen Kolonialmächte für die Vergangenheit zeigt der UN-Generalsekretär im "profil"-Interview Sympathie. Annan:
"Eine Gesellschaft, der unrecht getan wurde, mag sich für Vergebung entscheiden, wie Südafrika. Aber jene, die Verbrechen begangen haben, dürfen nicht Vergebung als ein Recht verlangen." Er glaube aber nicht, dass in Durban die Frage von Entschädigungen im Detail behandelt würden.

Für Friedenseinsätze der UN wäre, so betont Annan im "profil"-Interview, eine stehende Armee der Vereinten Nationen ideal. Dafür sei aber die Zeit nicht reif. Aber es dürfe "nie mehr eine Situation geben, wo unsere Soldaten in zu kleinen Verbänden in Krisengebiete geschickt werden für Aufgaben, die sie unmöglich ausführen können". Wenn Regional-Allianzen, wie die NATO jetzt in Mazedonien, ureigentliche Blauhelm-Aufgaben erfüllen, dann ist Annan nicht dagegen.

Mit einem Vergleich beschrieb der Generalsekretär aber die schwierige Situation der UN bei Auslandseinsätzen: Sie sei in einer Sitution, "wie wenn man dem Bürgermeister von Salzburg sagen würde:
Wir wissen, dass Sie eine Feuerwehr brauchen und dass immer wieder Brände ausbrechen, aber wir bauen Ihnen erst dann ein Feuerwehrhaus, wenn ein Brand da ist."

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