WirtschaftsBlatt - Kommentar zum Thema Posttarife

"Posttarife: Die letzte Chance" von Engelbert Washietl

Wien (OTS) - Die Verhandlungen zwischen der Österreichischen Post AG und den Vertretern der Printmedien über die Erhöhung der Tarife für Zeitungszustellung sind festgefahren. Unter dem Druck des Termins 1. Oktober droht eine Killer-Lösung. Sie würde in der ersten Phase die gedruckten Medien schwer treffen und einige von ihnen um die Existenz bringen. In weiterer Folge würde die Post einen wertvollen Stamm von Grosskunden einbüssen und zusehen, wie eines ihrer Marktsegmente gegen null hin schrumpft. Das kann nicht Ziel eines marktwirtschaftlich orientierten Grosskonzerns sein. Dass die Styria-Verlagsgruppe gemeinsam mit der holländischen Post allen Ernstes eine Konkurrenz zur Österreichischen Post AG aufbaut, zeigt, was auf dem Spiel steht. Die Kontakte zwischen den Post-Gewaltigen und den Medienvertretern sind nie zu richtigen Verhandlungen gediehen. Auf der Seite der Zeitungen herrscht nackte Existenzangst angesichts einer Tarifbombe, die die Zustellungskosten bis 2004 zu den höchsten Europas machen würde. Die Post präsentiert eine Kostenrechnung, als ob ein Heer von Briefträgern ausschliesslich Zeitungen austrägt und allein dafür bezahlt wird. Würde die Post eine ähnliche Vollkostenrechnung auch für die Privatbriefe aufstellen, müssten die Kunden auf jeden Standardbrief wahrscheinlich eine 20-Schilling-Marke kleben. Die Politik erklärt sich in dem Streit für unzuständig. Aber die Post ist kein liberalisiertes oder gar privatisiertes Unternehmen, sondern werkt grossteils noch im geschützten Bereich. Dann dürfen aber die Politiker nicht so tun, als ginge sie alles nichts an. Es gibt nur noch einen Ausweg aus der blockierten Situation. In EU-Staaten gibt es unterschiedliche, offensichtlich durchaus EU-konforme Systeme, die die Zeitungszustellung im Interesse der Bürger zu erträglichen Preisen möglich machen. Es gibt auch immer noch Subventionen dafür, etwa in Belgien und in Dänemark. Eine kurze Atempause würde ausreichen, damit ein renommiertes Consulting-Unternehmen im Auftrag beider Streitparteien eine europäische Vergleichsbasis erarbeitet: neutral und objektiv. Dann könnte man weiterreden - kurz, aber vermutlich zum ersten Mal vernünftig. Und mit einem Ergebnis, mit dem sowohl die Post als auch die heimischen Verlagshäuser leben könnten, und ohne Gesichtsverlust die Politiker. (Schluss) wash.

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