Lemler zum 1. Halbjahr im Einzelhandel: "Dunkle Wolken am Handelshimmel"

Trotz nominellem Plus - reales Umsatzminus von einem Prozent

Wien (PWK604) - "Am Himmel über der Handelslandschaft ziehen
dunkle Wolken auf", fasste der Obmann der Bundessektion Handel in der Wirtschaftskammer Österreich, Erich Lemler, das Ergebnis des ersten Halbjahres 2001 im Handel zusammen. Nachdem schon in der 2. Hälfte des Vorjahres Anzeichen für einen Wetterumschwung zu bemerken waren -realer Umsatzrückgang von 1% - hat sich diese Entwicklung im 1. Halbjahr des laufenden Jahres fortgesetzt. Dieser Trend scheint sich in der 2. Jahreshälfte noch weiter zu verstärken. "Und auch der Ausblick in die weitere Zukunft verspricht keine Besserung", zeigt sich Lemler wenig optimistisch. Obwohl im 1. Halbjahr 2001 der österreichische Einzelhandel nominell ein Umsatzplus von zwei Prozent erwirtschaftet hat, bedeutet das unter Berücksichtigung der Preisentwicklung real ein Minus von einem Prozent. Von Branche zu Branche gibt es wie immer große Unterschiede. im Großen und Ganzen muss man aber leider sagen, dass der Trend eindeutig rückläufig ist.

Während nominell fast alle Branchen ein positives Ergebnis verzeichnen - Spitzenreiter ist der Lederwarenhandel mit plus vier Prozent- zeigen die realen Werte ein anderes Bild. "Aufgrund der sehr unterschiedlichen Preisentwicklung in den einzelnen Branchen zeigt die reale Umsatzentwicklung teils andere Branchensieger als die nominell Umsatzentwicklung," erklärt Peter Voithofer vom Institut für Gewerbe- und Handelsforschung (IFGH). So weist zwar der Lederwarenhandel mit einem Plus von drei Prozent auch real das beste Ergebnis auf, manche Branchen mit nominellen Umsatzsteigerungen müssen aber real eine Stagnation oder sogar Rückgänge hinnehmen.

"Mit Ausnahme der Outlets von fünf bis zehn Mio. Jahresumsatz verzeichneten alle Standortkategorien nominelle Umsatzsteigerungen, real hatten alle Standorte Umsatzstagnationen oder -rückgänge", erklärt Lemler. Relativ erfolgreich zeigten sich Filialisten und Einzelhändler im Verbund mit einer nominellen Umsatzsteigerung von zwei Prozent, was zeigt, so Voithofer, dass der Konsument Geschäfte mit bekannten Namen, die über eine "Coporate identity" verfügen, bevorzugt.

"Die bescheidene Umsatzentwicklung im ersten Halbjahr und die getrübten Konjunkturaussichten schlagen sich auch in der gedämpften Stimmung der Händler nieder," zeigt sich Obmann Lemler besorgt. Das bestätigt auch eine EU-Umfrage des IFGH im Einzelhandel, bei der eine Mehrheit der Händler in den nächsten 6 Monaten eine Verschlechterung der Geschäftsentwicklung erwarten und daher auch weniger Waren einkaufen werden. Und auch die Beschäftigungssituation im Handel dürfte von der schwachen Konjunkturentwicklung betroffen sein. So planen 14 Prozent der Geschäfte eine Reduzierung des derzeitigen Beschäftigungsstandes. "Wir werden daher als Interessensvertretung des Handels alle Hände voll zu tun haben, um diese beginnende Talfahrt einzubremsen", meint Lemler. Vor allem müsse man versuchen, die Kostenentwicklung im Griff zu behalten, worauf nicht zuletzt bei den kommenden Lohnverhandlungen zu achten sei. " Auch die Kosten der Euro-Umstellung bereiten uns in diesem Zusammenhang Sorgen - sie werden mit 1-2 Prozent vom Umsatz beziffert", so Lemler.

Um so unverstädlicher sind für Lemler daher die Forderung von Seiten der SPÖ, wonach das öffentliche an den Pranger stellen von "Euro-Preissündern" gesetzlich verankert werden soll. "Diese Initiative erweckt den völlig falschen Eindruck, der Handel würde die Preise im Zuge der Euro-Umstellung nach oben treiben", zeigt sich Lemler verärgert. Preisveränderungen gibt es im Handel immer - sowohl nach oben als auch nach unten - das ist nichts eurospezifisches. Viel eher ist der Handel ein Preisdämpfer. Das sehe man u.a. daran, dass von 1996 bis 2000 der Verbraucherpreisindex (VPI) um 5,2 Prozent gestiegen ist, der Einzelhandelspreisindex im selben Zeitraum nur um 3,4 Prozent. Denn schon seit Jahren hat die Bundessektion Handel ihren Mitgliedern immer wieder empfohlen, die Preise exakt umzurechnen. Außerdem stellt das Eurowährungsangabengesetzes (EWAG) die korrekte Umrechnung von Schilling auf Euro sicher.

"Die Initiative der SPÖ hat wohl vor allem den Sinn, von der schwierigen Situation rund um den ÖGB abzulenken, wofür ich sogar Verständnis habe", meint Lemler. Nicht bedacht haben die Verantwortlichen aber offensichtlich die möglicherweise drastischen Folge dieses Vorschlags: "Eine Verunsicherung der Konsumenten zu diesem Zeitpunkt hätte, vor allem im Hinblick auf die kritische Konjunktursituation, fatale Auswirkungen, nicht zuletzt auf die Beschäftigungssituation im Handel", ist Lemler überzeugt. "Die Bundessektion Handel wird sich mit Sicherheit vor alle unschuldig an den Pranger gestellten Mitglieder stellen und sie wenn nötig auch bei rechtlichen Schritten unterstützen." (EBK)

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