Leitl schlägt Bildungscluster vor

Wirtschaftskammer-Präsident will Bündelung der Kräfte im Bildungsbereich - Sechsjährige Realschule soll umfassende Allgemeinbildung vermitteln

Wien (PWK601) - Vorschläge für die Verbesserung des heimischen Bildungssystem präsentierte Donnerstag Abend Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich. So spricht sich Leitl für die Einführung eines Bildungscluster und das Modell der sechsjährigen Realschule aus. "Wir wollen durch die Einführung von Bildungscluster die Kräfte im Bildungsbereich bündeln und durch Kooperation Synergien erzielen. Miteinander und nicht nebeneinander soll künftig gearbeitet werden", will Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, die mangelnde Zusammenarbeit von Bildungsanbietern in Österreich verbessern.

Leitl stellte das Modell eines Bildungsclusters, also eines kooperativen Netzwerks aller Bildungsverantwortlichen, im Rahmen der Alpbacher Wirtschaftsgespräche vor: " Ein Bildungscluster soll Einsparungspotenziale durch Synergieeffekte für alle Bildungsträger schaffen und die Verschiebung von Bildungsinvestitionen von der Erstausbildung zur Weiterbildung bewirken. Damit lassen sich Bildungsangebote gemeinsam planen. Es kann ein übersichtliches Bildungsangebot erstellt werden. Notwendig ist mehr Durchlässigkeit im Bildungssystem, die bestmögliche Auslastung aller Ressourcen, eine schnelle Anpassung von Bildungsangeboten und - ganz wichtig - ein wesentlich verbesserte Berufsinformation für eine systematische und konsequente Berufsentscheidung. Auch der notwendige Wissenstransfer zwischen Einrichtungen der Forschung und den Betrieben soll hier forciert werden." Auch wenn erste Ansätze bereits in Oberösterreich und Kärnten vorhanden sind, wurde ein bundesweiter Bildungscluster in Österreich noch nicht verwirklicht.

"Bund, Länder, Bildungsinstitutionen der Sozialpartner, AMS und auch die privaten Anbieter. Alle sollen künftig ihre Aktivitäten bündeln und in ein Netzwerk einspeisen, das Synergien bringt", beschrieb Leitl die Clustermitglieder. Den Start des Bildungscluster kann sich Leitl bereits für Anfang des nächsten Jahres vorstellen. "Wir sehen uns dabei als Vordenker, wichtig ist jetzt die notwendige Abklärung mit den potenziellen Partnern", bringt Leitl die weitere Vorgangsweise auf den Punkt. Dabei verwies er auf die hervorragende Kooperation der Wirtschaft mit Bildungsministerin Elisabeth Gehrer. Die Wirtschaftskammer sei gerne bereit, das notwendige Management abzuwickeln. "Die großartigen Leistungen und die Praxiserfahrungen unserer WIFIs sind dabei konkrete Beiträge, die wir in den Bildungscluster einbringen können."

Die Bündelung von Kräften ist für Leitl im Bildungsbereich aus demographischen, volkswirtschaftlichen aber auch finanziellen Gründen notwendig. "Heuer haben wir erstmals weniger als 100.000 Taferlklassler", führt Leitl die demographische Problematik an. Wenn der Produktionsfaktor Humankapital nicht in ausreichendem Maß vorhanden ist, drohen Wohlstandsverlust und das Abwandern von Aufträgen ins Ausland. Bereits im Jahr 2020 wird der Anteil der 45-bis 65-Jährigen 45 Prozent der Bevölkerung betragen. "Oder die 25.000 fehlenden Fachkräfte in Österreich, alleine dadurch fällt unser BIP um 18,7 Milliarden Schilling", quantifizierte Leitl die Notwendigkeit von gesteigerten Bildungsaktivitäten vor allem im Weiterbildungsbereich, der derzeit gegenüber der Erstausbildung noch immer stark im Hintertreffen liege.

Um vor allem in den Ballungszentren die Haupt- und Polytechnischen Schulen aufzuwerten, schlägt Leitl weiters das Modell einer mittleren Reife in Form einer 6-jährigen Realschule vor. Mit dieser Initiative entspricht der Präsident der Wirtschaftskammer Österreich auch einem Anliegen der Mitgliedsbetriebe, die sich verstärkt Lehrlinge mit einer umfassenden Allgemeinbildung wünschen. Noch im Herbst wird es deshalb zu einem Treffen mit der Bildungsministerin Gehrer kommen, um gemeinsam neue Angebote für das österreichische Bildungssystem zu entwickeln. "Ziel dabei muss es sein, die Grundtechniken der Schüler zu verbessern und neue Übertrittsberechtigungen in AHS, BHS und Lehre zu ermöglichen. Wir wollen also in Zukunft mehr Ausbildung á la carte und nicht á la menue", so Leitl.

Die Alpbacher Wirtschaftsgespräche widmeten sich dieses Jahr dem Thema "Neue Priorität Weiterbildung". Tagesaktuelle Web TV-Zusammenfassungen sind dabei über die Website der Wirtschaftskammer unter http://wko.at abrufbar. (AB)

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