"Mia san mia". Hans Haacke: Kleine Ausstellungshalle. 7. September bis 20. Dezember 2001. Werke aus der Sammlung: Große Ausstellungshalle. 7. September bis 20. Dezember 2001

Wien (OTS) - Pressegespräch: 5. September, 10.30 Uhr
Hans Haacke und KünstlerInnen aus der Sammlungsschau werden anwesend sein.

Eröffnung der Ausstellungen: 6. September, 19 Uhr

Im Herbst 2001 finden in der Generali Foundation parallel zwei Ausstellungen statt. Neben der ersten Ausstellung von Hans Haacke in Wien mit dem Titel Mia san mia, für die der Künstler eine neue Arbeit konzipiert hat, werden ausgewählte Werke aus der Sammlung der Generali Foundation gezeigt.

Hans Haacke (geboren 1936 in Köln, lebt seit 1965 in New York) konzentriert sich in seiner ersten Ausstellung in Wien auf "ein einziges Problemfeld: der Umgang mit der Vergangenheit des Landes und der nationalen Identität, Fragen, die in Österreich und in Deutschland - mehr als mir lieb ist - die Gemüter erhitzen". Hans Haacke, der sich zu Beginn in seinen Arbeiten mit physikalischen und biologischen Systemen beschäftigt hat, verdichtete seine künstlerische Praxis sehr früh in Form einer Analyse und Reflexion sozio-politischer Strukturen. Seit den letzten 30 Jahren befasst sich Hans Haacke in seinen Werken mit gesellschaftlichen und politischen Themen. Die zum Teil sehr heftigen, aus seinen Projekten resultierenden Debatten betrachtet er als Teil seiner künstlerischen Arbeit.

Mia san mia ist sowohl Titel der Ausstellung als auch einer neuen Installation, die Haacke speziell für Wien entwickelt hat und die von der Generali Foundation in Zusammenarbeit mit dem Künstler realisiert wird. Darin thematisiert Haacke die "Insula Austria", wie Österreich auf dem Cover einer deutschen Kunstzeitschrift einmal bezeichnet wurde. Mia san mia bildet quasi eine "Klammer" mit drei früheren Werken, in denen er sich mit Fragen der Konstruktion von Identität auseinander gesetzt hat. Zwei davon sind in Österreich entstanden bzw. konzipiert worden und haben seiner "Ansicht nach unglücklicherweise nicht an Aktualität verloren". In seiner neuen Arbeit wirft Haacke diese Thematik aus aktueller Perspektive auf.

1988 entwickelte Haacke im Rahmen des steirischen herbstes - das Generalthema lautete "Schuld und Unschuld in der Kunst", das der Sonderausstellung Bezugspunkte 38/88 - sein Projekt Und Ihr habt doch gesiegt, eine Rekonstruktion der NS-Siegessäule auf dem Platz Am Eisernen Tor in Graz. Zwei Wochen vor Ausstellungsende fiel die Installation einem Brandanschlag zum Opfer. 1996 wurde Haacke wieder nach Graz eingeladen, um einen Entwurf für eine Gedenkstätte für Opfer des Nationalsozialismus am Militärschießübungsplatz "Feliferhof" einzureichen. Ebenfalls in Wien zu sehen sein wird eine Installation zu dem viel diskutierten Projekt von Hans Haacke im Reichstagsgebäude in Berlin (1999/2000).

Werke aus der Sammlung Generali Foundation

Im Rahmen dieser Ausstellung werden Werke von Gottfried Bechtold, Norbert Brunner/ Michael Schuster, Maria Eichhorn, VALIE EXPORT, Harun Farocki, Dan Graham, Hans Haacke, Johanna Kandl, Mary Kelly, Richard Kriesche, Gordon Matta-Clark, Walter Pichler, Martha Rosler, Gerhard Rühm, VALIE EXPORT/Peter Weibel, Franz West und Heimo Zobernig zu sehen sein, darunter einige Neuankäufe, die zum ersten Mal präsentiert werden.

Seit nunmehr zwölf Jahren sammelt die Generali Foundation zeitgenössische Kunst mit Betonung auf kritischer, von vielen als "schwierig" abgetaner Kunst. Der Aufbau der internationalen und hoch angesehenen Sammlung sowie deren wissenschaftliche Bearbeitung und Dokumentation bilden den Kernbereich der Aktivitäten der Generali Foundation. Im Gegensatz zu dem bei staatlichen aber auch bei den meisten privaten Sammlungen erstrebten Anspruch auf "Vollständigkeit" hat die Foundation unter der Leitung von Sabine Breitwieser schon vor mehreren Jahren einen Schwerpunkt auf spezifische künstlerische Positionen oder Thematiken gesetzt. Dazu zählen konzeptuelle und performative Aspekte in der Kunst, der Grenzbereich von Architektur und Design sowie künstlerische Positionen, welche die Rolle der Medien und gesellschaftliche Parameter kritisch hinterfragen. Fotografie, Film, Video und Installation nehmen einen besonderen Stellenwert in der Sammlung ein. Die Werke in der Sammlung reichen zeitlich zurück bis in die sechziger Jahre und werden aktuellen künstlerischen Positionen aus den neunziger Jahren gegenübergestellt.

Im Zuge der Ausstellung mit Hans Haacke konnte kürzlich der Ankauf einer größeren Werkgruppe zum Abschluss gebracht werden. Als zentrale Werke in der Sammlung der Generali Foundation tragen die beiden österreichischen Projekte Und Ihr habt doch gesiegt (1988) und Feliferhof (1996) von Hans Haacke einmal mehr zu einer Verdeutlichung der Ausrichtung der künstlerischen Konzeption der Generali Foundation bei. Weiters wurden der legendäre Kondensationswürfel, 1963-65, sowie die Installation Zirkulation, 1969, erworben. Diese beiden Arbeiten aus der frühen Periode, in der sich Haacke mit der Dynamik von Flüssigkeiten beschäftigt hat, werden in der parallel stattfindenden Sammlungsaustellungen gezeigt.

Zu den größeren Ankäufen der letzten Zeit zählen weiters Dialektstudie I (1979) und Dialektstudie II (1999) von Norbert Brunner/Michael Schuster sowie Ich glaubte Gefangene zu sehen ... (2000) und Schnittstelle (1999), zwei Videoinstallationen von Harun Farocki.

Aus kunsthistorischer Sicht als zentral erachtete Werke, die erworben werden konnten, sind u.a. Aus der Mappe der Hundigkeit (1965) von VALIE EXPORT/Peter Weibel oder 14 Minuten im Leben von ... (1978) von Richard Kriesche. Johanna Kandl wird ihre anlässlich des im ehemaligen Jugoslawien ausgebrochenen Krieges entstandene Installation Das geschlossene System (1993) mit einer aktuellen Erweiterung präsentieren.

Werke aus der Sammlung Generali Foundation werden immer wieder in Ausstellungen internationaler Institutionen präsentiert. Besonders häufig in zahlreichen Kunstinstitutionen in Europa, Amerika und Asien gezeigt wurde die Videoinstallation Ich glaubte Gefangene zu sehen .. (2000) von Harun Farocki. Gleich mehrere Personalen von VALIE EXPORT (Santa Monica/Los Angeles, Innsbruck) wurden durch Leihgaben aus der Sammlung Generali Foundation ermöglicht. Vor kurzer Zeit waren weiters Prototypen von Walter Pichler im Musee national d'art moderne Centre George Pompidou in Paris ausgestellt. In ihren eigenen Räumen hat die Generali Foundation zuletzt 1999 einen "Einblick in die Sammlung" gegeben. Derzeit bereitet die Foundation eine internationale Ausstellungstour der Sammlung vor, die 2003 starten soll.

Kuratorin: Sabine Breitwieser
Kuratorische Assistenz / Ausstellungsproduktion: Nadja Wiesener

Es erscheint die Publikation Mia san mia. Hans Haacke
192 Seiten, ca. 26 Farb- und 37 s/w Abbildungen,
ISBN 3-901107-33-9.

Begleitprogramm für beide Ausstellungen
Aktuelle Informationen http://foundation.generali.at

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