DER STANDARD-Bericht: "Bank Austria verliert jetzt weitere Kernkompetenz - Treasury-Bereich wird in eigene Gesellschaft der HVB-Gruppe ausgelagert" (von Günter Baburek)

Wien (OTS) - Knapp ein Jahr nach der Übernahme durch die
bayerische HypoVereinsbank (HVB) verliert die Bank Austria eine weitere Kernkompetenz: Der Bereich Treasury (Geld- und Wertpapierhandel, Liquiditätssteuerung), Herzstück einer jeden Bank, soll in eine eigene Gesellschaft ausgelagert werden.

Der Pressesprecher der HVB, Thomas Pfaff, wies im Gespräch mit dem Standard darauf hin, dass die organisatorische Grundsatzentscheidung über die weitere Integration des Kapitalmarktgeschäfts noch nicht gefallen ist. Sie werde vom Lenkungsausschuss, bestehend aus HVB-Chef Albrecht Schmidt und Bank-Austria-General Gerhard Randa, zu treffen sein.

Erwartungen, wonach die HVB Markets eine gemeinsame Tochter von HVB und Bank Austria sein werde, bestätigt er nicht. "Ich weiß, es gibt Leute, die das gerne hätten. Aus meiner Sicht deutet aber nichts darauf hin." Pfaff schloss auch die Möglichkeit nicht aus, dass die HVB Markets eine 100-prozentige HVB- Tochter sein könnte.

Einige Beobachter sehen in der Ausgliederung des Treasury-Bereichs den Anfang vom Ende der Bank Austria. Als die damals größte Bank Österreichs Anfang 1997 die Creditanstalt (CA) übernommen habe, sei eine der ersten Maßnahmen die Überführung des CA-Treasury in die Bank Austria gewesen, erinnern sie. Einige Jahre später, heuer, sei dann beschlossen worden, die CA als eigene Gesellschaft zur Gänze in der Bank Austria aufgehen zu lassen.

Mit der Integration des gesamten Kapitalmarktgeschäfts der HVB-Gruppe wurde bereits zur Jahresmitte begonnen. "Die Zusammenarbeit zwischen München, Wien und London funktioniert bereits hervorragend", erklärte der für diesen Bereich zuständige Bank-Austria-Vorstand Willi Hemetsberger, der in Zukunft auch im Vorstand der HVB Markets vertreten sein wird. Vorsitzender des Vorstandes wird der HVB-Konzernvorstand Norbert Juchem sein, weiters werden Jens-Peter Neumann (München) und Fergus Hoke (London) in diesem Gremium vertreten sein.

Dass die gesamte Treasury- Mannschaft von Wien nach München übersiedeln wird, wie kolportiert wurde, bezeichnete Hemetsberger im Gespräch mit dem Standard als falsch. Die Gruppe werde in Europa weiterhin mit Handelsräumen in München, London und Wien vertreten sein.

Bank-Austria-Pressesprecher Martin Hehemann wies mit Nachdruck darauf hin, dass nur die Handelsaktivitäten der Bank Austria (Devisen und Valuten, Wertpapiere) in eine eigene Gesellschaft ausgelagert werden sollen. Die Steuerung der Bank selbst (Asset Liability Management, Liquidität) verbleibe in Wien. Somit bedeute die Reorganisation eine Stärkung der Position der Bank Austria.

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