Einkommensdebatte: Es lebe der große Unterschied?

Linz (AKO) Die öffentliche Debatte um die Höhe der Bezüge von Betriebsräten und Gewerkschaftsfunktionären ist in vollem Gang. Dass Österreich bei der Einkommens-Schere zwischen Männern und Frauen mittlerweile EU-Schlusslicht ist, ruft dagegen keine nennenswerte Erregung hervor. Dabei geht es im Kern um das gleiche Thema, findet die AK-Frauenredaktion.

Tatsächlich geht es in beiden Fällen um Einkommens-Unterschiede und ihre Rechtfertigung. Einkommens-Unterschiede beruhen auf einer unterschiedlichen Bewertung von Leistung. Sie nehmen zwischen Männern und Frauen unter anderem auch deshalb zu, weil sich Frauenarbeit auf Wirtschaftszweige konzentriert, in denen Leistung weniger wert ist, weil die Arbeitskraft nicht so profitabel eingesetzt werden kann (Handel, persönliche Dienstleistungen). In diesem Sektor sind in den letzten Jahren die meisten "Frauen-Arbeitsplätze" entstanden. In der Industrie sind dagegen viele verloren gegangen, beim öffentlichen Dienst gehen sie gerade verloren.

Die Einkommens-Unterschiede nehmen aber auch zu zwischen Männern und Männern, weil große und florierende Industriebetriebe ihre internen Dienstleistungen ausgliedern. Die "ausgegliederten" Arbeit-nehmer nehmen nicht mehr teil an den Produktivitätsfortschritten der Branche, für die sie arbeiten.

Die Chance, irgendwann einmal Einkommens-Millionär zu werden, gilt als Leistungsanreiz, auch wenn sie für die überwiegende Zahl der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer gegen Null tendiert. Denn gleichzeitig greift die Überzeugung Platz, dass manche Arbeiten eben nur dann profitabel organisiert werden können, wenn die Beschäftigten dort sehr wenig verdienen. Unser Gesellschaftssystem rechtfertigt also große Einkommens-Unterschiede und stellt sie als unumgänglich notwendig für eine florierende Wirtschaft hin.

Aus Sicht jener Frauen, die zu den Verliererinnen dieser Entwicklung gehören, besteht die Herausforderung für die Gewerkschaften darin, die größer werdenden Unterschiede bei den Einkommen und bei den Arbeitsbedingungen zu verhindern.

Die Regierung will das Gegenteil: Sie will die Lohnverhandlungen auf die betriebliche Ebene verlagern, sie will die Arbeitsbedingungen nicht mehr gesetzlich regeln (Nachtarbeit, Ladenschluss), sie will Dienstleistungen im privaten Haushalt fördern (steuerliche Absetzbarkeit von Kindermädchen), und sie will den Druck auf Arbeitslose durch schärfere Zumutbarkeitsbestimmungen erhöhen.

Daten und Fakten:
Sonderauswertung des Arbeitsklimaindex (Nettolöhne, Durchschnitt 1998 bis 2000, nach Branchen, arbeitszeitbereinigt):
Einzelhandel: 11.735 Schilling
Energie/Wasser: 20.744 Schilling

Einkommensdaten der OÖGKK, Jahr 2000, Monatsbruttoeinkommen inkl. anteiliger Sonderzahlungen, nicht arbeitszeitbereinigt:
Sechs Prozent der unselbständig Erwerbstätigen verdienten über der Höchstbeitragsgrundlage, 90 Prozent davon sind Männer
15 Prozent der unselbständig Erwerbstätigen verdienten weniger als 10.000 Schilling brutto monatlich (ohne Sonderzahlungen), 74 Prozent davon sind Frauen

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