KPÖ-Vorsitzender Baier reist nach Istanbul

"Die Todesfastenden in Kücükarmutlu brauchen unsere Solidarität"

Wien (OTS) - KPÖ-Vorsitzender Walter Baier reist heute nach Istanbul, um sich vor Ort über die Lage der Todesfastenden in Kücukarmutlu zu informieren und Gespräche mit VertreterInnen diverser Unterstützungskomitees und Menschenre chtsgruppierungen zu führen.

Baier: "Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen aus aller Welt verurteilten seinerzeit die Errichtung der F-Typ-Isolationsgefängisse und die brutalen Maßnahmen der türkischen Regierung gegen die Opposition und die politischen Gefangenen. Bei der Ers türmung besetzter Gefängnisse durch türkische Sonderheiten im Dezember letzten Jahres wurden mehr als 30 Menschen getötet. Nun besteht Gefahr, dass es neuerlich zu einer Eskalation der Gewalt kommt. Die Todesfastenden in Kücükarmutlu brauchen unsere Solidarität."

Hintergrundinfos:

Aufruf an die Presse und die Öffentlichkeit von:
Prison Watch International - Wien, 19.08.2001
Stiftgasse 8 1070 Wien
Tel.: 0699/10068641
info@pwi.action.at

Die Bevölkerung in Kücükarmutlu-Istanbul ist dringend auf Ihre Unterstützung angewiesen.

Türkischer Staat bereitet Massaker an den Angehörigen der Gefangenen vor. Ausländische Delegationen in die Türkei können die Angriffe verhindern.

Seit längerer Zeit bereitet der türkische Staat einen Angriff auf die Gefangenen-Angehörigen in Kücükarmutlu-Istanbul vor.Zuletzt belagerten am 17. August 2001 unzählige Spezialteams und Soldaten mit Panzern und Bulldozern das Armenviertel in Armutlu, wo das Todesfasten der freigelassenen Gefangenen und ihrer Angehörigen stattfindet. Über 20 Angehörige und mehrere freigelassenen Gefangene setzen hier ihren Widerstand des Todesfastens gegen die Isolationszellen fort.

Um den Widerstand gegen die Isolationszellen zu brechen lässt der Staat nichts unversucht. Zunächst verübte er ein Massaker an den Gefangenen und verschleppte sie mit Gewalt in Isolationszellen. Nachdem das Todesfasten auch hier fortgeführt wurde,

wurden unzählige von Gefangenen, sobald sie Bewusstsein verloren hatten, zwangsernährt und teilweise verkrüppelt. Als die Gefangenen das Todesfasten trotz der Zwangsernährung erneut begannen, wurden einige von ihnen aus der Haft entlassen. Als diese den Widerstand auch draußen fortsetzten, begann der Staat nun die Todesfastenden auch draußen anzugreifen. Die Angehörigen, die sich mit ihnen sol idarisieren und sich zum Teil ebenfalls am 305. Tag des Todesfastens befinden, werden nun mit unzähligen Provokationen eingeschüchtert. Da auch diese Einschüchterungsversuche nichts bringen, versucht der Staat nun erneut, wie am 19. Dezember 2000 mit einem Massaker, bei dem 28 Gefangene massakriert wurden, den Widerstand mit einem Massaker zu brechen.

Bereits seit einem Monat patroullieren Millitärkräfte im Gebiet der Todesfastenden in Kücükarmutlu. Ein- und ausgehende Besucher werden willkürlich kontrolliert und sogar Blumen und Nelken, die für Todesfastende mitgebracht werden, werden besc hlagnahmt und verboten. Vor zwei Tagen drangen die Militärkräfte bis zu 30 Meter an die Häuser der Todesfastenden in Kücükarmutlu ein und warteten mit Polizeikräften, Sondereinheiten, Sonderkommandos und mit unzähligen Waffen und Panzern auf einen Angriffsbefehl der Regierung. Durch die Anwesenheit einer europäischen Delegation und das Einschreiten der demokratischen Institutionen konnte der Angriff jedoch vorerst zurückgedrängt werden. Das Militär hat sich jedoch nicht endgültig zurückgezogen, sondern nur um einige Hundert Meter weiter entfernt. Das Militär wartet auf einen günstigen Moment, um den Angriff ungestört durchführen zu können. Lassen wir ein zweites Massaker an den Widerstandsführenden nicht zu. Zeigen wir durch unsere Präsenz vor Ort, dass die Bevölkerung in Armutlu-Istanbul nicht allein ist.

Was ist Prison Watch International?

PWI ist ein Zusammenschluß demokratischer, fortschrittlicher Menschen um sich international für die Sicherung und Wahrung von Menschenrechten einzusetzen. Gegründet wurde PWI im Sommer 1996, im Zuge der Kampagne zur Unterstützung des Todesfastens in zahlreichen türkischen Gefängnissen. Bei dieser Aktion, die die Menschenrechtssituation in der Türkei weltweit publik machte, sind 12 Menschen ums Leb en gekommen. Ab diesem Zeitpunkt haben sich Gruppen unter dem Namen PWI formiert, die sich als Schwerpunkt die Solidarität mit demokratischen Kräften in der Türkei setzten. Im März 1998 gründeten wir PWI- Wien. Seit Februar 1999 sind wir als Verein konstituiert. Die Schwerpunkte unserer Tätigkeit sind Öffentlichkeitsarbeit (vernetzt mit den anderen PWI Gruppen), Arbeit vor Ort (durch Entsendung von Delegationen in de r von Repression besonders stark betroffene Länder) und Leistung von Direkthilfe (durch Organisation von medizinischen Gütern, Anwälten und finanziellen Mitteln für politisch unterdrückte Menschen). Unsere Organisation arbeitet eigenständig und ist deshalb auch keiner politischen Partei zugeordnet. Finanziert wird unsere Arbeit durch Spenden der Mitglieder und SympathisantInnen.

Weitere Informationen zum Thema im Internet unter http://www.pwi.action.at

Rückfragen zum Aufenthalt von Walter Baier in Istanbul an:
Tel.: 0676 / 69 69 002
e-mail: bundesvorstand@kpoe.at
Internet: www.kpoe.at

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