"Zahnloser Tiger" Preisbehörde

AKNÖ-Konsumentenschützer vergleichen laufend Preise: 40 Prozent Preissteigerung sind keine Seltenheit

Die Konsumentenschützer der Arbeiterkammer Niederösterreich (AKNÖ) führen laufend Preiserhebungen durch, um den Konsumenten so einen Überblick über die Entwicklung der Preise zu geben. So haben Tester der AKNÖ zuletzt die Preise von 50 Produkten des Merkur Warenkataloges 2001 mit den Preisen des Jahres 2000 verglichen. Dabei sind ihnen zum Teil erhebliche Preisunterschiede aufgefallen:
Zum Jahreswechsel sind da die Preise erheblich in die Höhe geklettert. So zum Beispiel kosten im aktuellen Katalog 100 Gramm des Handl Nordtiroler Bauernspecks geschnitten 26,90 Schilling (1,95 €), im Vorjahr gab es ihn noch um 19,90 Schilling (1,45 €). Das ist eine Preissteigerung um 35,18 Prozent. Ähnlich verhält es sich mit einer 400 Gramm Dose gefüllter Paprika von Inzersdorfer: Im Dezember 2000 musste man dafür 15,90 Schilling (1,16 €) zahlen. Heuer sind es schon 19,90 Schilling (1,45 €). Das ist eine Preisdifferenz von 25,16 Prozent.

Als besonderen Skandal empfinden die Konsumentenschützer die Vorgehensweise Produktpreise nur geringfügig anzuheben, dafür aber beim Packungsinhalt zu sparen. So sind zum Beispiel Midi Unisex Windeln der Marke Quality Line nicht viel teurer geworden: Statt 139,90 Schilling (10,17 €) zahlt man 149,90 Schilling (10,89 €). Dafür hat sich die Stückzahl von 68 Stück auf 56 Stück reduziert. Geht eine Familie auf Großeinkauf bei Merkur, dann kommt sie das -bei den von uns getesteten Produkten - um durchschnittlich 18,17 Prozent teurer als im Vorjahr. Das schlägt sich mit 267,70 Schilling (19,45 €) im Geldbörsel deutlich zu Buche.

Die Arbeiterkammer Niederösterreich führt laufend Preiserhebungen durch. Dafür hat sie als einzige Institution in ganz Österreich ca. 50 Personen zur Verfügung. Es gibt zwar die Bezirksverwaltungen und die Landespreisbehörde, die dem Ministerium für Wirtschaft und Arbeit unterstellt sind. Ihnen geht es aber nur um die korrekte Auszeichnung der Preise. Dazu AKNÖ-Präsident Josef Staudinger:
"Bezirksverwaltungen und Landespreisbehörde führen keine Preiserhebungen durch und haben somit keine Möglichkeit eines Preisvergleiches. Da frage ich mich ernsthaft, wie Herr Bundesminister Bartenstein nur von einigen wenigen schwarzen Schafen sprechen kann, die die Euro-Umstellung zu versteckten Preiserhebungen missbrauchen. Wie will er das feststellen, wenn die Preisbehörden keinen Auftrag zu einer Preiserhebung erhalten?" AKNÖ-Konsumentenschützer La Garde spricht im Zusammenhang mit der Preisbehörde von einem "zahnlosen Tiger": "Die Preisbehörden hätten alle Möglichkeiten Preissünder zur Anzeige zu bringen. Das entspricht allerdings nicht ihrem Auftrag. Ihnen geht es einzig um die korrekte Preisauszeichnung. Die NÖ Arbeiterkammer hingegen führt im Interesse der Verbraucher Preiserhebungen durch und gibt die Ergebnisse laufend der Öffentlichkeit bekannt. Sanktionen gegen Unternehmen kann bei aufgedeckten Unregelmäßigkeiten allerdings nur die Behörde verhängen."

Immer mehr Konsumenten wenden sich an die Konsumentenschützer der NÖ Arbeiterkammer, wenn ihnen Preiserhöhungen auffallen. Dazu La Garde:
"Den Verbrauchern sind wir auf Grund unserer laufenden Preiserhebungen ein Begriff. Fallen ihnen Unregelmäßigkeiten auf, wenden sie sich natürlich an uns. Strafen können wir diese Preissünder aber nicht. Wir werden allerdings Anzeigen, die uns Konsumenten zukommen lassen, verlässlich an die Bezirksverwaltung weiterleiten. Die Frage ist nur, wie sinnvoll eine solche Anzeige ist. Denn noch ist völlig unklar, welche rechtlichen Folgen ein Verstoß gegen die Vorschriften für die Unternehmen hat.

Die Konsumentenschützer raten allen Verbrauchern dringend zu einem Preisvergleich und geben bekannt, dass sie die Preisentwicklungen verstärkt unter die Lupe nehmen werden. La Garde zeigt sich abschließend erfreut über die zahlreichen Anrufe und Briefe der Konsumenten, die auf Preissteigerungen im Zuge der Euro-Umstellung und insbesondere auf Unregelmäßigkeiten bei der Umrechnung hinweisen: "Das zeigt uns ganz deutlich, dass wir auf dem richtigen Weg sind."

Einige Beispiele, die den AKNÖ-Konsumentensberatern von verärgerten Verbrauchern angezeigt wurden:

· Eine Konsumentin aus Schwechat berichtet, dass bei der Fima Magnet

nicht mehr in Schilling, sondern nur noch in Euro ausgezeichnet wird.
· Ein Konsument beobachtet die kontinuierliche Preissteigerung bei

Anker Brot im 23. Bezirk: Ein Waldviertler Brot geschnitten kostete im Jänner 2001 21, 90 Schilling (1,59 €), im März 23,90 Schilling €) dafür bezahlen.
· Verärgerte Autofahrer aus ganz Niederösterreich berichten, dass

die Parkgebühren um 2 Schilling (0,15 €) pro halbe Stunde erhöht worden sind. Das sind satte 40 Prozent!
· Bei Do & Co in Baden wird erst in Euro gerechnet und dann auf

Schilling umgerechnet.
· Ebenso wird im Romantik-Hotel in St. Wolfgang zuerst in Euro gerechnet und dann auf Schilling umgerechnet.
· So weist ein Zweiradgeschäft in St. Pölten einen

"Rundungsausgleich" von 40 Groschen aus, um auf einen runden Gesamtbetrag zu kommen.
· Viele Konsumenten beschweren sich generell über "unrunde"

Schillingpreise, z.B bei Stiefelkönig.
· Ein Verbraucher berichtet, dass bei der Wienerwald-Raststation

"Föhrenberg" die Preise im Restaurant hinaufgesetzt wurden, um runde

Euro-Preise zu erzielen.
· Auch Buschenschanken und Heurigenbetriebe führen laufend

schleichende Preiserhöhungen durch, wie empörte Verbraucher berichten.
· Generell fallen den Konsumenten Preiserhöhungen in der Gastronomie

unangenehm auf.

Diese Liste ist beliebig fortsetzbar - die Konsumenten sind entsetzt.

Die Arbeiterkammer richtet ab Herbst eine österreichweite Informations-Hotline zur Währungsumstellung ein: Unter 0800/801801 kann man sich dann täglich außer Sonntag
von 7:00 bis 20:00 Uhr in Fragen rund um den Euro beraten lassen.

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Tel.: (01) 58883-1248 OTS

AKNÖ Öffentlichkeitsarbeit

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