"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Flüchtlingsdrama" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 30. 8. 2001

Innsbruck (OTS) - Die Zerstörung von Buddha-Statuen durch die radikalen Taliban, ließ die Welt empört aufschrecken. Das Los der Menschen in Afghanistan bleibt offenbar eine Beiläufigkeit. Australiens Regierung geht noch einen Schritt weiter. Ihre Reaktion im Fall des Containerschiffes "Tampa" mit afghanischen Flüchtlingen ist widerlich und lächerlich zugleich.

Natürlich gibt es gut Gründe, keine Praxis daraus werden zu lassen, mit Hungerstreik die Aufnahme in einem Land zu erzwingen. Dass Premierminister John Howard eine Eliteeinheit in Marsch setzt, kann aber nicht einmal mit dem heißen Wahlkampffinale gerechtfertigt werden. Schon seit Jahren haben sich in humanitären Belangen die einst großzügigen Perspektiven des dünn besiedelten Landes gefährlich verengt.

Europäische Beobachter des makabren Geschehens wenden sich angewidert ab. Vor Selbstgerechtigkeit sei aber gewarnt. Immer mehr Menschen sind es, für der Traum von Freiheit und Wohlergehen abrupt in engen Zellen endet. Man wird nicht darum herum kommen, das Los der Elenden dieser Welt zu einem globalen Thema zu machen. Sorgsam geführte Statistiken über erfolgreiche Aufgriffe Illegaler mögen beruhigen. Doch hinter den Zahlen verbergen sich Schicksale. Wanderungen aus Notgebieten in reichere Gegenden gab es seit jeher. Nicht jeder, der Obdach gewährte, hatte viel. Heute haben es vergleichsweise viele Menschen zu Wohlstand gebracht. Parallel dazu ist die Angst gestiegen, etwas zu verlieren. Der Ankömmling ist vor allem dann geschätzt, wenn er nicht auf Almosen angewiesen ist.

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