• 29.08.2001, 11:31:44
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Holender im Interview: Restaurant in und vor der Staatsoper, neuer "Ring", Sommerbespielung, Memoiren - und der "Fall Mentha" vor dem Aufsichtsrat

Vorausmeldung zu NEWS 35/01 v. 30.8.01

Wien (OTS) - Staatsoperndirektor Ioan Holender gibt in einem
Interview für die morgen erscheinende Ausgabe des Wochenmagazins NEWS
spektakuläre Projekte bekannt:

- In und vor der Staatsoper soll kärntnerstraßenseitig ein
Restaurant eröffnet werden. Holender: "Die Umgestaltung des Platzes
neben der Staatsoper ist mir ein Anliegen. Ich halte diese Betonwüste
an einem der wichtigsten Plätze der Stadt für einen Schandfleck. Dort
gibt es nichts als einen schauerlichen Stand für Eintrittskarten, vor
der Oper einen Parkplatz für Busse und die für angebliche acht
Millionen Schilling installierten, besonders hässlichen Sterne mit
lebenden und toten Sängern, Dirigenten, Solisten, Komponisten usw.
Ich möchte auf diesem Platz etwas der Wichtigkeit der Staatsoper
Entsprechendes ermöglichen, das zum Verweilen einlädt. Dazu soll ein
Gastgarten entstehen, und zwar zu einem Restaurant, das ich in der
Oper einrichten möchte. Es soll sich dort befinden, wo jetzt die
Publikums-Parterregarderoben auf der Kärntnerstraßen-Seite sind."

- Für die verbleibenden Jahre seiner soeben bis 2007 verlängerten
Amtszeit gibt Holender als Wunsch eine Neuinszenierung von Wagners
"Ring des Nibelungen" an (Adolf Dresens Inszenierung zu Beginn der
Ära Waechter/Holender wurde arg verrissen).

- Holender will die Staatsoper während der Sommermonate bespielen:
"Wir müssen einen Weg finden, in der Haupttourismuszeit wenigstens
zwei Wochen zu spielen, und zwar reguläres Repertoire."

- Die Äußerungen von Volksoperndirektor Dominique Mentha, der
Holender der Lügen bezichtigte, werden ein Nachspiel haben. Holender
zu Gerüchten, Menthas Amtszeit könnte begrenzt sein: "Das liegt nicht
in meinem Ermessen. Herrn Menthas Anwürfe gegen mich werden
allerdings auf meine Bitte und auf Veranlassung des Eigentümers - der
Holding - schon im Herbst, in der ersten Sitzung, vor den
Aufsichtsrat der Bundestheater-Holdinge gebracht. Mehr sage ich im
Moment dazu nicht."

- Deutlich wird Holender zur Causa "Theater an der Wien": " Ich
finde die ganze Konstruktion merkwürdig. 79 Prozent der Vereinigten
Bühnen gehören der Holding, die Holding gehört der Bank Austria und
die der Bayrischen HypoVereinsbank. Das heißt, der Steuerzahler
subventioniert die bayrische Bank mit 79 Prozent von 240 Millionen
Jahresetat, also fast 190 Millionen Schilling. Wenn man also das
Theater an der Wien weiter als Unterhaltungsbühne führen will, soll
man den Steuerzahler in Ruhe lassen und das Haus privat wie ein Bad
oder ein Kino führen. Mir und allen Kunstfreunden ist nur wichtig,
dass im Theater an der Wien nur jene Kunstgattung gespielt wird, für
die das Haus gebaut wurde: Oper und Operette."

- Die gewählten Verantwortlichen haben ihre Verantwortung zu
tragen."

- Holender gibt auch erste Einblicke in seine demnächst
erscheinenden Memoiren. Einem "mit Herzblut geschriebenes" Kapitel
über die Zeit in Rumänien und "lehrreichen Passagen über die
Agentenzeit" dürfte Brisantes gegenüberstehen: Ein Kapitel über die
Operndirektionen, "auch über den einen oder anderen meiner Vorgänger"
sei zu erwarten. "Oder über Erscheinungen wie Pavarotti, die ich ja
eingedämmt habe. Da werde ich zwar deutlich werden. Aber wer sich
einen Aufruhr erwartet, wird enttäuscht werden."

Holender zu Mortiers Abschied: "Ich möchte zuerst einen Satz von
Andre Gide sagen: 'Man kann nicht Neuland entdecken, ohne das Ufer zu
verlassen, bis man es nicht mehr in Sichtweite hat." Es ist ihm
gelungen, die Abkapselung Salzburgs von der Moderne, die nach dem
Ersten Weltkrieg mit den Konservativen Strauss, Hofmannsthal und
Reinhardt begonnen hat, zu durchbrechen. Die haben zu einer Zeit
gemauert, als Picasso und Schönberg schon wesentliche Faktoren der
Kunst waren. Ich muss zu Mortier allerdings auch etwas nicht so
Freundliches sagen: Ohne höchste Qualität der künstlerischen Mittel
können wir nichts bewegen. Mehr will ich zur "Fledermaus" nicht
bemerken, und zum "Figaro" auch nicht. Unmöglich finde ich es
allerdings, dass Marthalers "Was ihr wollt"-Inszenierung Monate nach
der Premiere als Endstation einer Tournee nach Salzburg kam.
Festsspiele - wo auch immer, und ich nehme die Wiener Festwochen
nicht aus - verlieren nämlich ihre Identität, wenn sie nichts Eigenes
schaffen."

Rückfragehinweis: Sekretariat NEWS-Chefredaktion
Tel. (01) 213 12-1103

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NES/OTS

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