OeNB - Geschäftsentwicklung der Kreditinstitute im ersten Halbjahr 2001

Wien (OTS)
- Die Bilanzsumme der Kreditinstitute erhöhte sich seit Beginn
des Jahres nur um 1,0% gegenüber +7,1% im Vergleichszeitraum
des Vorjahres.
- Die Direktkredite stiegen nur noch um 1,8%. Erstmals seit
1997 lag aber das absolute Wachstum der Euro-Kredite über
jenem der Fremdwährungskredite.
- Trotz sinkender Zinsen stiegen die Spareinlagen um 0,3%.

Das erste Halbjahr 2001 war durch ein deutlich abgeschwächtes Bilanzsummenwachstum der in Österreich tätigen Kreditinstitute gekennzeichnet. Nach einem Zuwachs von 37,43 Mrd EUR oder 7,1%
in den ersten beiden Quartalen 2000 erhöhte sich die Gesamt-bilanzsumme heuer nur noch um 5,46 Mrd EUR bzw. 1,0%. Der Grund
für dieses geringe Wachstum war in den Umstrukturierungs-maßnahmen der Bank Austria im Zuge der Integration mit der HVB
zu suchen. Die Bank Austria schloß nämlich im Berichtszeitraum drei Auslandsfilialen, was sich aufgrund ihrer starken
Marktposition über eine deutliche Abnahme des Auslandsgeschäftes in der Gesamtbilanzsumme niederschlug. Würde man das Bilanzsummenwachstum der österreichischen Kreditinstitute ohne
Bank Austria betrachten, so ergäbe sich heuer immerhin ein Plus
von ca. 6% - ein nur geringfügig schwächerer Zuwachs als 2000.

Der inländische Zwischenbankverkehr war im ersten Halbjahr
2001 jene Aktivposition, die mit einem Plus von 6,30 Mrd EUR
oder 6,2% am stärksten wuchs. Gegenüber der Vergleichsperiode
des Vorjahres war dieser Anstieg zwar um 2,3 Prozentpunkte
niedriger (+9,20 Mrd EUR bzw. +8,5%), passivseitig stellt der
(in- und ausländische) Interbankverkehr dennoch inzwischen die bedeutendste Bilanzposition (noch vor den Einlagen) der Kreditinstitute dar. Der ausländische Zwischenbankverkehr
erhöhte sich aktivseitig nur noch um 1,83 Mrd EUR oder 2,3%
(2000: +10,12 Mrd EUR bzw. +15.2%), passivseitig um 3,25 Mrd EUR oder 3,9% (2000: +12,77 Mrd EUR bzw. 16,9%).

Nach einem Wachstum der aushaftenden Direktkredite von
5,78 Mrd EUR (+2,7%) im ersten Halbjahr 2000 verlor der Zuwachs heuer an Dynamik und reduzierte sich auf 4,12 Mrd EUR (+1,8%).
Auch die seit 1995 anhaltende verstärkte Nachfrage nach Fremdwährungskrediten hat sich im heurigen Jahr vorerst etwas abgeschwächt. Lag im Vorjahr der Zuwachs der Direktkredite in
Euro nur bei 0,26 Mrd EUR (+0,1%), jener der Fremdwährungs-ausleihungen bei 5,52 Mrd EUR (+16,7%), so betrug der Anstieg
bei den Eurokrediten im ersten Halbjahr 2001 2,18 Mrd EUR
(+1,2%), jener der Kredite in Fremdwährungen jedoch nur
1,95 Mrd EUR (+4,9%). Erstmals seit 1997 lag somit das absolute Wachstum (Veränderung zum Vorjahr) der Schilling- bzw. Euro-Kredite über jenem der Fremdwährungskredite. Die Entwicklung der Anzahl der Fremdwährungskredite, aufgegliedert nach der Kredithöhe, legt den Schluß nahe, daß diese - ursprünglich primär für großvolumige Finanzierungen im Unternehmensbereich vorgesehen - seit 1999 eindeutig die bevorzugte Kreditform der privaten Haushalte sowie der Klein- und Mittelbetriebe sind. So verzeichneten Fremdwährungsausleihungen bis zu einer Höhe von
5 Mio ATS (Die Umstellung der Größenklassen auf Euro erfolgt
erst ab 1.1.2002.)die weitaus größten Zuwächse. Zwar waren im Juni 2001 mehr als die Hälfte aller aushaftenden Fremdwährungsausleihungen in Schweizer Franken denominiert, ihr Anteil ist aber im Sinken begriffen, da sie sich seit Beginn des Jahres - bei nahezu gleichbleibendem Wechselkursniveau - um
1,9 Mrd EUR (-7,7%) reduzierten. Kredite in Japanischen Yen erfreuten sich hingegen weiterhin großen Zuspruchs: Ihr Anteil
an den gesamten Fremdwährungsausleihungen erhöhte sich seit
Beginn des Jahres aufgrund eines Zuwachses von 3,7 Mrd EUR
(+26,1%) von 33,7% auf 40,5%. Da der Wechselkurs des JPY im Verhältnis zum Euro gleichzeitig nur um etwa 1,5% stieg,
handelte es sich hier offensichtlich um tatsächliche
Neuzuwächse. Bei regionaler Betrachtungsweise fällt auf, daß der Zuwachs der Fremdwährungskredite in den östlichen Bundesländern (Als östliche Bundesländer wurden Niederösterreich und das Burgenland definiert. Die Bundesländer Vorarlberg, Tirol und Salzburg wurden als "Österreich West" eingestuft.) seit Jahresbeginn (+6,6%) etwas stärker ausfiel als in den westlichen (+5,3%). Der Anteil der Fremdwährungskredite an den gesamten Ausleihungen lag im Osten Österreichs mit einem Wert von 14,9% dennoch deutlich niedriger als im Westen (31,5%).

Das Mittelaufkommen aus Einlagen erhöhte sich seit Beginn des Jahres um 2,84 Mrd EUR (+1,6%) und damit beinahe analog zum Vergleichshalbjahr 2000 (+2,74 Mrd EUR oder +1,6%). Trotz
sinkenden Zinsniveaus erhöhten die privaten Haushalte ihre Sparguthaben in Euro seit Beginn des Jahres um 0,40 Mrd EUR
(+0,3%). Noch im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren sie um
2,34 Mrd EUR oder 1,9% gesunken. Die Struktur der Spareinlagen
nach ihrer Höhe änderte sich u.a. wegen der Abschaffung der Sparbuchanonymität zwischen Juni 2000 und Dezember 2000 geringfügig zugunsten jener Sparbücher mit Beträgen unter
200.000 ATS. Bis zu einem Betrag von 200.000 ATS können
Sparbücher nämlich als sogenannte "Losungswortsparbücher" geführt werden.(Die Identität des Kunden ist dem Kreditinstitut aber in jedem Fall bekannt.)

Beinahe analog zum Vorjahr erhöhte sich das Volumen der
eigenen Inlandsemissionen der österreichischen Kreditinstitute
im ersten Halbjahr 2001 um 2,43 Mrd EUR (+4,6%). Schon seit
einiger Zeit ist zu beobachten, daß diese Form der
Refinanzierung beinahe doppelt so rasch wächst wie der Einlagenstand.

Das Volumen der Derivativgeschäfte wuchs im ersten Halbjahr
2001 nur noch um 60,28 Mrd EUR (+7,7%) und somit deutlich abgeschwächter als noch in der Vergleichsperiode des Vorjahres (+184,03 Mrd EUR bzw. +28,0%). Mit Stand Juni 2001 lag das Verhältnis der Derivativgeschäfte zur Bilanzsumme bei 149,1%.

Mit Stichtag 30. Juni 2001 hielten die in Österreich tätigen Kreditinstitute 40,30 Mrd EUR an Eigenmittel, um 2,87 Mrd EUR
oder 7,7% mehr als noch zu Beginn des Jahres. Somit erhöhte sich auch die (unkonsolidierte) Eigenmittelausstattung in Prozent der Bemessungsgrundlage um 0,7 Prozentpunkte auf 14,5%, was im internationalen Vergleich einen durchaus guten Wert darstellt.
Die Mindestausstattung beträgt gemäß Bankwesengesetz 8%.

Der Wertberichtigungsbedarf bezogen auf die Kundenforderungen geht seit Jahren kontinuierlich zurück, lag aber per 30.06.2001
bei 3,2% und somit um 0,1 Prozentpunkte geringfügig höher als im Juni 2000.

Da die risikogewichteten Aktiva (Es handelt sich dabei um
jene um Wertberichtigungen gekürzten Aktiva, die gem. §22(3) BWG nach Risikoklassen zu gewichten sind.) mit einem Plus von
11,71 Mrd EUR (+4,9%) deutlich stärker als die Bilanzsumme
(+1,0%) wuchsen, stieg auch die Kennzahl der risikogewichteten Aktiva in Prozent der Bilanzsumme im ersten Halbjahr 2001 um
1,7 Prozentpunkte auf 44,4%.

GESCHÄFTSENTWICKLUNG DER KREDITINSTITUTE IN ÖSTERREICH

STAND KUMULATIVE VERÄNDERUNG 2001/06 2001 2000
Mrd EUR Mrd EUR in% Mrd EUR in % Einlagen v.inl.Nichtbanken 178,64 +2,84 +1,6 +2,74 +1,6 Eig.inl.Emissionen an
Nichtbanken (EUR u. FW) .. 54,77 +2,43 +4,6 +2,94 +6,3 Geldkapitalbildung v.inl.
Nichtbanken (EUR u. FW) .. 233,41 +5,27 +2,3 +5,68 +2,6 Direktkredite an inl.
Nichtbanken .............. 229,01 +4,12 +1,8 +5,78 +2,7

. EUR-Direktkredite ... 187,61 +2,18 +1,2 +0,26 +0,1
. Fremdw.-Direktkredite 41,40 +1,95 +4,9 +5,52 +16,7 Titrierte Kredite an inländ.
Nichtbanken (EUR u. FW) .. 23,85 -0,57 -2,3 +0,70 +2,8 Gesamtkredite an inländ.
Nichtbanken (EUR u. FW) .. 252,86 +3,56 +1,4 +6,48 +2,7 Auslandsaktiva ........... 153,54 -4,25 -2,7 +20,01 +15,2 Auslandspassiva .......... 171,32 -3,27 -1,9 +19,95 +13,5 Bilanzsumme .............. 568,16 +5,46 +1,0 +37,43 +7,1 Nicht bilanzwirks.Geschäfte 898,90 +62,04 +7,4 +0,02 +0,0

.hiev.besond.außer-
bilanzm.Finanzgesch. . 847,26 +60,28 +7,7 +184,03 +28,0 Eigenmittel absolut ...... 40,30 +2,87 +7,7 +1,94 +5,5 Eigenmittel in % der
Bemessungsgrundlage 1) ... 14,52

1) Betreffend jene Banken, die laut BWG zur Haltung von

Eigenmitteln verpflichtet sind.

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