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"Die Fehlschlüsse aus dem Gagen-Skandal" von Peter Muzik

Kommentar - WirtschaftsBlatt

Wien (OTS) - Für Österreichs Neidgenossenschaft ist das, was sich seit einer Woche in diesem Lande abspielt, natürlich ein gefundenes Fressen. Der längst notwendige Gagen-Strip bringt zwar zum Teil erschütternde Erkenntnisse ans Tageslicht, er birgt allerdings auch so manche Gefahren. So z.B. sind schlichte Verallgemeinerungen, die auf Grund des Falles Dörfler prompt die Runde machen, zu simpel und letztlich unzutreffend bzw. ungerecht.

Erstens: Nicht alle Betriebsräte, die 100.000 Schilling verdienen, müssen automatisch korrumpiert sein. Nicht jedem Gewerkschafts-Bonzen, der jetzt in die Schlagzeilen geraten ist, geht es primär um die eigenen Bezüge und sonst nichts. Und nicht jeder Boss einer Sozialpartner-Institution, der monatlich 150 Blaue und mehr kassiert, ist dieses Geld prinzipiell nicht wert. In der momentanen Situation gilt es, sehr zu differenzieren und die Kirche im Dorf zu lassen: Es besteht kein Grund, um generalisierend und mit Schaum vor dem Mund über sämtliche Betriebsräte und ÖGB-Funktionäre herzufallen. Es gibt in Österreich nicht nur Betriebskaiser mit durchaus fragwürdigen Traumgagen, sondern tausende, ja abertausende Betriebsräte, deren Bezüge durchaus akzeptabel, weil vollkommen unspektakulär sind - und die auch tatsächlich die Interessen der jeweiligen Belegschaft zu vertreten im Stande sind.

Zweitens: Wenn die Vermutung stimmt, dass einzelne Top-Manager in krisengeschüttelten Betrieben wie der Post AG ihre Betriebsräte ganz bewusst mit Gehaltserhöhungen mundtot gemacht und sozusagen "gekauft" haben, dann müssen - gar keine Frage - selbstverständlich auch diese Führungskräfte schleunigst zur Verantwortung gezogen werden. Das heisst: Ein Generaldirektor, der Betriebsräte auf diese Tour zu Marionetten degradiert, um von ihnen Wohlwollen zu ergattern, hat einfach auf der Stelle seinen Hut zu nehmen.

Drittens: Die jetzige Offenlegungs-Welle ist, so weit sie den öffentlichen Sektor betrifft, enorm wichtig, also zu begrüssen. Mehr Transparenz, Hygiene und Aufrichtigkeit bei den dortigen Bezügen waren ohnedies längst fällig. Jetzt aber - was sich manche Bonzen wünschen - quasi als Kompensation die Gehaltsdiskussion auszudehnen, um auch die Spitzengagen in der Privatwirtschaft öffentlich zu diskutieren, wäre indes bloss ein billiges Theater für die Neidgenossenschaft, also reiner Unsinn... (Schluss) PM

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