Pressestimmen/Vorausmeldung/Sucht "Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar - Sucht nach mehr und anderem

Ausgabe vom 26. Aug. 2001 Klagenfurt (OTS) - Sucht nach mehr und anderem - Viele Experten sind überzeugt, dass Suchtverhalten bei Jugendlichen nur ein Symptom tiefer liegender Probleme ist. Dennoch glauben manche Entscheidungsträger noch immer, nur Symptome bekämpfen zu müssen. Das einzige Instrument, das ihnen dazu einfällt, ist Strafe. Drogensüchtig, krank zu sein, wird als Fehlverhalten sanktioniert, statt dem Mehr, dem Anderen, das ein Süchtiger sucht, auf die Spur zu gehen. Viel zu wenig Gewicht hat das Wort derer, um die es geht, nämlich der Jugendlichen. Viel zu wenig werden Streetworker gefördert, die hautnah an Bedürfnissen von jungen Menschen dran sind. Die Politik gibt sich zwar jugendlich-jovial, entscheidet aber in vielen für Jugendliche relevanten Bereichen über deren Köpfe hinweg. Erste Ansätze, Jugendlichen ein demokratisches Mitbestimmungsrecht in unserer Gesellschaft zu geben, wurden erst in den letzten Jahren greifbar. Es reicht nicht, dass Jugendliche auch gehört werden, wenn es um ihre uneigensten Interessen geht, sondern um eine echte, gesetzlich fixierte Mitgestaltung. Wie sollen die Bedürfnisse von Jugendlichen an ihren vorbei erfasst werden können? Wenn die Politik Probleme der Jugendlichen mit ihnen lösen will, muss sie sich kritische Geister, unbequeme Haltungen, unangenehme Einblicke in Krisensituationen und Änderungswünsche gefallen lassen. Junge Menschen passen nicht in ein zurechtgeschneidertes Bild. So tief in die Materie wollen jedoch die wenigsten einsteigen. Da schüttet man Jugendliche lieber mit Events zu und nimmt die Sucht nach mehr, nach anderem in Kauf.

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
E-Mail: ktzredaktion@apanet.atKärntner Tageszeitung

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/KTI