"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Das Maß der Dinge

Ausgabe vom 25.08.2001

Dass im Land, wo die Neurose ihre Heimat hat (laut Erwin Ringel), sich auch der Neidkomplex zu Hause fühlt, scheint einleuchtend. Neid, der dort beginnt und ebenda endet, wo der Rubel rollt: Wen wundert´s da, dass Österreich das Einkommen zum Tabuthema erhoben hat. Der eine, weil er sich seines dürftigen Gehaltes schämt. Der andere, weil ihm seine Supergage doch peinlich ist...

Wenn nun gestern ÖGB und Wirtschaftskammer sich offenherzig ins Geldbörserl schauen ließen, ist Österreich einer kleinen Sensation nahe: Die Abcasher haben sich transparent gemacht. Was es gebracht hat? Von Ahs und Ohs einmal abgesehen - den großen Frust. Und die Bestätigung dessen, was der kleine Mann ohnehin wusste.

Nun ja: Ganz so schlimm war es freilich nicht. Ein Verdienst um die 100.000 Schilling wird all jene Prinzhorns & Cos. mitleidig schmunzeln lassen, die in der Privatwirtschaft ein Vielfaches lockermachen. Eben darum müsste die Gier einiger weniger dem ÖGB doppelt und dreifach die Zornesröte ins Gesicht treiben: Hat doch diese Gier nach mehr und noch mehr der gesamten Sozialpartnerschaft den "Pfui"-Stempel aufgedrückt.

Womit - vom fatalen Zeitpunkt abgesehen (ÖGB-Urabstimmung) - die Frage bleibt: Was ist das Maß der Dinge? Wie viel darf sich ein Vertreter der Arbeitnehmerschaft ins Sparschwein stecken? 80.000? 60.000 (wie die blaue Politikerriege, die den Rest welchen Kanälen auch immer spendet)? Oder muss er gar - des reinen Gewissens wegen -in der Kutte gehen?

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