"Neue Kärntner Tageszeitung" Kommentar: Post: Aufgelegter Elfmeter gegen Rot

Ausgabe vom 22.08.2001

Ein aufgelegter Elfmeter, diese Postgewerkschafter-Affäre. Für wen? Für die Freiheitlichen natürlich - und gegen die SPÖ. Obwohl ein schwarzer Gewerkschafter der gelben Post in die Gagen-Causa verwickelt ist, gelangen die Sozialdemokraten zum Handkuss, ob sie nun etwas dafür können oder nicht. Denn: Nach wie vor wird von einem beträchtlichen Teil der Österreicher Rot für so manches verantwortlich gemacht, was keineswegs "exklusiv" auf besagter Farbe gewachsen ist, nicht hinhaut, unsympathisch und unpopulär scheint, dem Zeitgeist widerspricht.

Und in der Tat: Dass vier Postgewerkschafter (Betriebsräte), voran der Boss, Hans Georg Dörfler, in sensiblen Zeiten wie diesen um bis zu sagenhafte 80 Prozent mehr Gehalt einstecken (Dörflers Bezug stieg von 80.000 auf 100.000 Schilling brutto), ist nicht nur der öffentlichen Meinung, sondern vor allem den vielen, vielen kleinen, von hundertfacher Amtsschließung bedrohten, würgenden Existenzsorgen erfassten Postbediensteten sozusagen "unvermittelbar".

Der Schaden für SPÖ und Gewerkschaft gerät ins Enorme, ins kaum Gutzumachende. Erstere befindet sich plötzlich nicht in optimistisch ausgelegter Oppositions-, sondern matter Verteidigungsposition (die durch die Feststellung von SP-Nationalratspräsident Fischer, er sei "unglücklich über die in Diskussion geratenen neu vereinbarten Gehälter", keinesfalls besser wird). Und Letztere, die Gewerkschaft also, wird sich fragen müssen, ob die ins Auge gefasste, gegen die Bundesregierung gerichtete Urabstimmung überhaupt noch sinnvoll ist.

Rückfragen & Kontakt:

Chefredaktion
Tel.: 0463/5866-502
E-Mail: ktzredaktion@apanet.at

Kärntner Tageszeitung

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | KTI/KTI