• 19.08.2001, 10:03:10
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"profil": VolxTheaterKarawane übt Kritik an Konsul und Innenministerium

Anfänglich kein Kontakt mit Anwalt möglich gewesen - rechnen mit Einstellung des Verfahrens in Italien - kein persönlicher Profit aus gestiegener bekanntheit angestrebt

Wien (OTS) - In einem Interview in der Montag erscheinenden
Ausgabe des Nachrichtenmagazins "profil" nehmen drei Mitglieder der
VolxTheaterKarawane, darunter die Regisseurin Regina Müller, das
erste Mal nach der Freilassung aus der Haft zu den Vorgängen in Genua
Stellung. Besonders zu Beginn der Haft sei es ihnen "überhaupt nicht
gut" gegangen. "Wir hatten keine Ahnung, warum wir überhaupt im
Gefängnis sind." Auch wäre anfänglich kein Kontakt zu einem Anwalt
möglich gewesen.

Kritik üben die Mitglieder der VolxTheaterKarawane am
österreichischen Innenministerium, das Daten über polizeiliche
Vormerkungen an die italienischen übermittelt hat, denen bei der
ersten Haftprüfungsverhandlung großer Gewicht beigemessen worden sei.
Man habe zwar versucht, bei der ersten Verhandlung, "das Projekt zu
erklären. Die Helme, die Gewänder, die Fackeln, die Keulen." Dem sei
jedoch mit dem Argument, dass einzelne Mitglieder "auf einer Liste
stehen", kein Glaube geschenkt worden. "Wie geht das, dass man
unbescholten ist, aber auf einer Liste steht, die dann als Argument
dafür herhalten kann dass man zu einer kriminellen Vereinigung
gehört?"

Sehr unterschiedlich sei die Reaktion der österreichischen
Diplomaten gewesen, von denen sie im Gefängnis besucht wurden. Kritik
üben die Mitglieder der VolxTheaterKarawane im "profil"-Interview an
Manfred Moritsch, dem österreichischen Konsul in Mailand, der sie als
erster offizieller Vertreter Österreichs aufgesucht hatte. Er habe
die Berichte über sexuelle Belästigungen und Übergriffe nicht ernst
genommen. Dies sei eine "weitere Demütigung" gewesen.

Erst nach den Besuchen von Johannes Voggenhuber, dem
EU-Abgeordnete der Grünen, und Klaus Famira, Botschaftssekretär in
Rom, hätte sich die Situation gebessert: "Die waren entsetzt, als sie
gehört haben, was in der Nacht der Verhaftung passiert ist." Man habe
den Eindruck gewonnen, dass "aufgrund der persönlichen Betroffenheit"
Famiras "dann etwas weitergegangen" sei.

Mit einer Weiterführung des Verfahrens rechnen die Mitglieder der
VolxTheaterKarawane nicht: "Es wäre so lächerlich, wenn die einen
Prozess führen wollten wegen der Zugehörigkeit zu einer kriminellen
Vereinigung. Wir können uns das nicht vorstellen Der schwarze BH als
Beweis? Bunte Jonglierkeulen als Tatwaffen? Wenn Italien ein
Rechtsstaat ist, dann wird das fallen gelassen."

Die Mitglieder der VolxTheaterKarawane bezeichnen ihre Verhaftung
im "profil"-Interview als Reaktion der Politik, die mit ihrer Form
von Theater nicht umgehen könne: "Wir machen offenes, freches
Theater. Von der kulturlosen Politik wird das oft missverstanden."
Sie seien Opfer ihres eigenen Theaters geworden. "Der Politik ist
nichts anderes eingefallen, als uns ihr Theater aufzuzwingen - mit
Handschellen, mit Gefängnis mit Schlägen und Misshandlungen."

Aus der durch die intensive Berichterstattung über ihre Verhaftung
erlangten Bekanntheitsgrades wollen die Mitglieder der
VolxTheaterKarawane nach eigenen Angaben nun keineswegs persönlich
Kapital schlagen: "Wir sind nicht solche, die möglichst schnell ins
Fernsehen kommen wollen oder möglichst viel Geld rausschlagen."

Rückfragehinweis: "profil" Redaktion
Tel.: 01/534 70 DW 2501 und 2502

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