Pressestimmen/Vorausmeldung/NATO "Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: Ratloser NATO-Rat

Ausgabe vom 18. August 2001 Klagenfurt (OTS) - Ratloser NATO-Rat - Der NATO-Rat ist offenbar ratlos. Während eine Vorhut - britische und tschechische Soldaten -bereits in Skopje gelandet ist, vertagte der NATO-Rat in Brüssel seine eigentlich schon getroffene Entscheidung neuerlich. Die Entsendung einer 3500 Man starken Truppe nach Mazedonien wurde im letzten Augenblick gestoppt. Die Amis machten diesmal ohnehin von Haus aus nicht mit. Dabei sollte es doch diesmal nur ein dreiwöchiger ‚Spaziergang‘ werden, bei dem die albanischen UCK-Kämpfer - wie vereinbart - freiwillig ihre Waffen abgeben. Also, Flinten einsammeln und nicht wie weg. Doch auch in Brüssel dämmerte, dass auf dem Balkan noch kein einziger Einsatz, der auf einige Tage anberaumt war, weniger als einige Jahre gedauert hat. Und bis jetzt ist noch völlig ungeklärt, wie viele albanische Kämpfer wie viele Waffen und und von welcher Art abliefern sollen. Das Entscheidende ist, das Einsammeln von Waffen hat gerade bei der UCK aber schon gar nichts mit einer Entwaffnung zu tun. Schon eher mit einer Modernisierung des Kriegsmaterials bei gleichzeitig aufgebessertem Image. Niemand weiß heute, worauf sich die NATO da einlässt, wenn sie nicht mehr bietet, als das Einsammeln einiger alten Flinten. Und genau davor, nämlich mehr zu bieten, scheut die NATO aus nachvollziehbaren Gründen zurück. Dieses Mehr hieße, ein neues internationales Protektorat auf dem Balkan wie in Bosnien und Kosovo zu schaffen. Tut sie es, wird es Europa diesmal ohne Amerikaner tun müssen. Tut sie es nicht, droht dem Balkan und uns die Wiederholung dessen, was eben überwunden schien.

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