WirtschaftsBlatt-Kommentar von Peter Muzik Die neue Qualität der Krise

Wien (OTS) - Kein Tag ohne neue Horrormeldungen. Heute lesen Sie
zum Beispiel auf der Thema-1-Seite (A8), dass so gut wie alle Finanzminister in Europa mit ihren Budgets grösste Troubles haben. Die weltweit matte Konjunktur - bekanntlich erleben die USA eine arge Flaute, die Japaner sind ebenfalls arm dran, und im EU-Raum ist fast überall ein herber Rückschlag zu verzeichnen - hat längst auf Österreich abgefärbt. Bei zahlreichen Unternehmen sind Umsätze und Gewinne rückläufig, die Investitionen werden gekürzt, Personal wird bisweilen drastisch abgebaut. Die Stimmung in den Führungsetagen der Betriebe ist schlecht wie schon lange nicht. Fast alle Manager stellen sich auf einen heissen Herbst ein, der ihnen herbe Enttäuschungen bringen wird. Pessimisten gehen davon aus, dass eine längere Dürrezeit bevorsteht und ein Aufschwung keinesfalls in Sicht ist. Und selbst notorische Optimisten rechnen damit, dass auch das Jahr 2002 kaum ein nennenswertes Wirtschaftswachstum bringen wird und eine Trendwende bestenfalls 2003 kommen dürfte. Diesmal geht die Krise, die hierzulande - wie etliche Experten meinen - noch nicht einmal den Zenit erreicht hat, Österreichs Führungskräften weitaus mehr an die Nieren als in ähnlichen Situationen, etwa Mitte der Siebzigerjahre oder in den Achtzigern. Sie hat sozusagen eine neue Qualität erreicht, weil alle nach zwei wirtschaftlich fetten Jahren erkannt haben, dass die Gürtel nun enger zu schnallen sind. Von der Regierung, die sich selbst auf einen beinharten Sparkurs eingeschworen hat, ist in dieser Situation ebensowenig Aufmunterung zu erwarten wie von den Wirtschaftspropheten, die von Woche zu Woche trauriger dreinschauen. Jammern allein - was in Österreich ja selbst in Wachstumsphasen durchaus üblich ist - wird diesmal sicher nicht genügen. Jetzt kommt es drauf an, die Zeichen der Zeit zu erkennen und möglichst rasch zu reagieren: Die meisten Betriebe müssen wohl oder übel den Rotstift ansetzen und sich schlankere Strukturen verpassen, sofern sie heil aus dem Konjunkturtief kommen möchten. Es wird daher, was z.B. Philips gerade durchexerziert, bei zahlreichen Unternehmen zu harten, durchaus auch unpopulären Massnahmen kommen müssen - aber eines ist sicher: Die Welt geht garantiert auch diesmal nicht unter. Und wer diese Krise meistert, wird künftig stärker sein als jetzt... (Schluss) PM

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