"Kleine Zeitung" Kommentar: "Offenbarung" (von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 18.8.2001

Graz (OTS) - Dass mit einem Regierungswechsel - wie man uns vorher einreden will - alles neu wird, gehört ins Märchenreich. Aber die Offenbarungseide, die mit der Änderung verbunden sind, sind ein Kurs in politischer Erwachsenenbildung. Nach Tisch liest sich vieles anders. Die Erkenntnis ist ein Wert an sich.

In der Opposition drängt die SPÖ auf verbesserte soziale Wohltaten und eine milliardenschwere Steuererleichterung zu gleich - für Lohnempfänger wie für Unternehmer. Dass höhere Mächte die Schilling-oder künftigen Euro-Noten drucken, heißt das Gottvertrauen aber überziehen. Die Kassen sind leer, wir raufen, die Zinsen für die alten Schulden hereinzubringen.

Die FP-Generalsekretärin prangert das als "Bewusstseinsspaltung" der langjährigen Regierungspartei an. Mit Recht. Aber sie verdrängt, dass ihre eigene Partei noch vor kurzem ein Paradies mit flattax, Kindergeldsegnung und strengster Objektivierung bei Postenbesetzungen versprach. In dem Wein finden wir viel Wasser.

Womit sich der alte Karl Marx wieder als kluger Beobachter erwiesen hat: Sein bestimmt das Bewusstsein. Oder zumindest die ideologischen Absonderungen. ****

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