Schicker: Architektur nicht auf Eigentümerinteressen beschränken

SPERRFRIST 17 UHR! -.-.-.-.-.-.-.-.-. Für politische Steuerungsinstrumente bei Raumplanung und Stadtgestaltung

Wien, (OTS) "Architektur vernichtet Stadtplanung" - diese provokante These des Architekten Rem Koolhaas trifft dann zu, wenn man die Politik dabei außer Acht lässt", zeigte sich Wiens Stadtentwicklungs- und Verkehrsstadtrat DI Rudolf Schicker anlässlich der "Alpbacher Architekturgespräche" von der Notwendigkeit politischer Steuerungsinstrumente bei der Raumplanung und Stadtgestaltung überzeugt. Wenn sich Architektur nur auf die Umsetzung von Eigentümerinteressen beschränke ohne dabei die Stadtverträglichkeit im Auge zu behalten, bedeute dies das Ende einer geordneten Entwicklung im öffentlichen Raum.****

Wie Schicker betonte, hätten es Investoren in Zeiten der Globalisierung und des internationalen Wettbewerbs ohnehin relativ einfach, ihre Projekte umzusetzen. Ausnahmen bei Bebauungsbestimmungen, Erleichterungen in der Bauordnung, die seitens der öffentlichen Hand zur Verfügung gestellte Infrastruktur, Solitär-statt Blockformen seien nur einige Beispiele für die Möglichkeiten, auf die private Investoren zurückgreifen könnten. Viele Städte seien gerade deshalb noch "anschaubar", weil sich die Politik in der Frage der Stadtbildgestaltung nicht aus ihrer Verantwortung stehle. Wien sei bestes Beispiel dafür, wie mit einer Vielfalt an Instrumentarien wie beispielsweise dem WBSF, dem WWFF, den Bauträgerwettbewerben etc. negativen Entwicklungen entgegengewirkt und gleichzeitig einer neuen, innovativen Architektur Rechnung getragen werden könne. Auch die Tatsache, dass Wien über eine eigene Magistratsabteilung für Architektur und Stadtgestaltung verfüge, zeige den hohen Stellenwert eines stadtgestalterischen Anspruches.

Wenn im neoliberalistischen Sinn gefordert werde, dass der Staat so wenig wie möglich auch in Fragen der Gestaltung des öffentlichen Raums eingreifen solle, dann müsse auch der Umkehrschluss gelten, dass sich die öffentliche Hand zurückzieht und die Eigentümer selbst z.B. für notwendige Infrastrukturmaßnahmen herangezogen werden müssen. In diesem Sinne erneuerte der Stadtrat seine Überlegungen, Investoren in Zukunft durchaus auch zu Gegenleistungen für entsprechende Vorarbeiten der Stadt zu verpflichten. Auch die Stadt Wien selbst habe sich in den vergangenen Jahren Vorgaben auferlegt und z.B. durch Architekturwettbewerbe im Bereich der Errichtung von Wohnungen und Schulen beachtenswerte Programme umgesetzt. "Politik muss auch künftig die Bedingungen stellen, da auch die Verantwortung letztendlich der Politik zugeschrieben wird", so Schicker. Sollten Investoren nicht zu einer entsprechenden Kooperation bereit sein, könne er, Schicker, sich durchaus auch vorstellen, etwa Flächenwidmungen zu befristen. Erkenntnisse des Verfassungsgerichtshofes würden immer wieder dokumentieren, dass Plandokumente als rechtswidrig aufgehoben würden, wenn die Stadt nicht genauestens auf eine ordnungsgemäße Flächenwidmung achte.

Gleichzeitig betonte Schicker, dass seine Forderung nach politischen Steuerungsinstrumenten nicht als Investorenfeindlichkeit gesehen werden dürfe, sondern vielmehr einer geordneten Entwicklung in der Region dienen soll. Wien wolle sich als Zentrum im südlichen Zentraleuropa etablieren, innerhalb des Stadtgebietes strebe man eine Entwicklung vor allem entlang der U-Bahn-Achsen an, wobei vor allem dem Stadtentwicklungsplan, der bis 2005 adaptiert werden soll, eine wesentliche Bedeutung zukomme. "Wir wollen eine polyzentrische Stadtstruktur, die nachhaltig und stadtverträglich ist und vor allem eine optimale Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln garantiert", unterstrich Schicker. Dazu sei es allerdings notwendig, Investoren bestimmte Vorgaben zu machen. Durch geladene Wettbewerbe, Struktur- und Städtebauwettbewerbe etc. solle eine Pluralität geschaffen werden, im Rahmen derer vor allem jungen, innovativen ArchitektInnen Chancen gegeben werden. "Die Stadt Wien wird sich nicht daran orientieren, was den Eigentümern nützt, sondern was im allgemeinen Interesse der hier lebenden Menschen steht und gleichzeitig moderne Architektur ermöglicht. Wenn ich aufgrund dieser Einstellung - wie kürzlich in einer Zeitschrift - als "roter Rudi der Stadtplanung" tituliert werde, dann soll es mir in diesem Zusammenhang nur Recht sein", so Schicker abschließend. (Schluss) gb

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