WirtschaftsBlatt-Kommentar von Jens Tschebull

Zuwanderung: Willkommen im Team!

Wien (OTS) - Die nüchterne Einwanderungsdebatte kommt zwar um 20 Jahre zu spät, aber immerhin ist sie da. Befristete Flüchtlingshilfe auf der einen und rationale Zuwanderungspolitik auf der anderen Seite werden sauber getrennt. Bei Zuwanderern wird davon ausgegangen, dass es zu den Rechten jedes Staates (auch der EU) gehört, das Land nach eigenen Vorstellungen zu organisieren, willkommene Partner ins Team zu bitten und andere auszuschliessen. Es war kurzsichtig, jahrzehntelang Türken, Jugoslawen oder Philippininnen nur zu solchen Arbeiten ins Land zu holen, "für die sich keine Österreicher finden".

Die Wirtschaft blickte zu sehr auf niedere Löhne, die Gewerkschaft hielt Konkurrenten fern und die Caritas suchte gemäss ihrer Bestimmung nach Problemfällen. Minderbegabte Österreicher landeten dadurch auf Posten, denen sie nicht gewachsen sind oder wurden mit Arbeitslosengeld durchgefüttert, weil sie sich zu gut für Jugo-Arbeiten dünkten. Es wurden Handlanger und Analphabeten importiert, obwohl wir davon genug im Lande haben. Das Integrationspotenzial der Gäste wurde weder bedacht noch genützt. Durch Eignungstests, überprüfte Integrationswilligkeit und Facharbeiterfortbildung hätte sich Österreich eine Elite von neuen Leistungsbürgern schaffen können, die jetzt eine sprachkundige Speerspitze für die Markterschliessung bei EU-Beitrittskandidaten wäre. Stattdessen haben wir zu viele Haus- und Putzfrauen und Zureicher, die auch nach zwanzig Jahren kaum Deutsch sprechen und ihr ganzes Geld für einen überdimensionierten Altensitz in Anatolien oder Serbien ausgeben, wo sie ihre österreichischen Pensionen aufzehren werden.

In Zukunft wird es, wenn sich die Vernunft durchsetzt, zwei Gruppen von Gastwerkern geben: Pendler, Saisonniers und Aushilfskräfte mit Rückfahrkarte. Und geprüfte, integrationswillige Zuwanderer, die zu unseren Bedingungen ins Land dürfen und hier in beiderseitigem Interesse zur Staatsbürgerschaft geführt werden. Das lässt für die Wirtschaft einen elastischeren, kurzfristigen Arbeitsmarkt erhoffen; und langfristig eine Stärkung der Arbeitsmoral durch das Vorbild zielorientierter, hungriger Neubürger. (Schluss) JT

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