Forstwirtschaft weist Steuerprivilegien-Vorwurf zurück

Schenker kritisiert irreführende Aussagen zu angeblicher Steuerbefreiung

Wien, 16. August 2001 (AIZ). - Der Präsident des Hauptverbandes der Land- und Forstwirtschaftsbetrtiebe Österreichs, Stefan Schenker, hat heute Medienberichte energisch zurückgewiesen, wonach die heimischen Forstwirte "erhebliche Steuerprivilegien" genießen würden. Am Dienstag hatte eine lachsrosa Tageszeitung den Steuerexperten Werner Doralt dahin gehend zitiert, dass sich die Waldbesitzer beim Verkauf von Liegenschaften über "völlige Steuerfreiheit" freuen könnten. Außerdem komme bei der außerordentlichen Waldnutzung (Windwurf) nur der halbe Einkommensteuersatz zur Anwendung, so Doralt. "Ich wundere mich, dass so ein renommierter Steuerexperte derart fachlich falsch wiedergegeben wird", erklärte Schenker heute gegenüber dem AIZ. Beide Aussagen von Doralt seien entweder falsch oder irreführend und müssten richtig gestellt werden. ****

"Verkauft ein Forstbetrieb Liegenschaften, also Wald, dann bleibt der Ertrag im Gegensatz zu den zitierten Aussagen Doralts nicht steuerfrei. Wenn man Wald mit Grund und Boden verkauft, dann muss der gesamte stehende Holzvorrat der Einkommensteuer unterzogen werden. Das sind oft drei Viertel des Kaufpreises. Daher ist diese Feststellung einfach falsch", stellte Schenker fest.

"Wenn weiters gesagt wurde, dass bei so genannten außerordentlichen Waldnutzungen - in Folge von Windwurf oder durch ähnliche Einflüsse -nur der halbe Einkommensteuersatz angewendet wird, dann muss man dazu sagen, dass dies ein Ausgleich dafür ist, dass wir nicht so bilanzieren können wie andere Betriebe, die ihre Anlagevermögen bewerten - denn Wald ist auch Anlagevermögen", erläuterte der Präsident. Wenn beispielsweise in einem Gewerbebetrieb durch eine äußere Einwirkungen eine Maschine kaputt gehe, dann müsse der Wert dieser Maschine in der Bilanz mittels einer Sonderabschreibung korrigiert werden. "Das dürfen wir Forstwirte nicht, weil die Finanz sagt, sie bewertet das Waldvermögen nicht. Deshalb ist das ein gerechtfertigter Ausgleich für uns", betonte Schenker.

In anderen Ländern ähnliche Bestimmungen

Nicht umsonst existierten diese steuerlichen Bestimmungen seit Beginn der Zweiten Republik, und man habe sich das damals sehr gut überlegt, hält der Präsident fest, und weiter: "Hier von Privilegien zu sprechen, das kann nur einer, der die Verhältnisse nicht kennt oder jemand, der uns in der Öffentlichkeit schaden will. Außerdem gibt es in anderen Ländern, etwa in Deutschland ähnliche Bestimmungen bei der Nutzung von Wäldern in Folge höherer Gewalt."

Es werde in dem Artikel auch unterstellt, dass die kleinen, pauschalierten Waldbesitzer nicht in den Genuss dieser steuerlichen Begünstigungen kommen können. Dazu sei zu sagen, "dass die Pauschalierten - weil die Erträge in der Forstwirtschaft so gering sind - von Haus aus keine Steuern zahlen und daher logischerweise diese so genannten Privilegien nicht nutzen können".

Forstwirte machen nicht das schnelle Geld

Schenker stört insbesondere, dass - auch im Zusammenhang mit den Bundesforste-Grundstücksverkäufen - unterschwellig immer wieder der Eindruck vermittelt werde, dass reiche Bankiers sich deshalb gerne Waldflächen kaufen, um in den Genuss von Steuerprivilegien zu kommen oder durch die Waldnutzung schnell noch reicher zu werden. "Da muss man endlich einmal fragen, wieso kann sich überhaupt ein reicher Wirtschaftstreibender einen Wald kaufen? Sicher nicht, weil er in der Forstwirtschaft so reich geworden ist. Es gibt offensichtlich in anderen Branchen die Möglichkeit, so viel Geld zu verdienen, dass man sich einen Wald kaufen kann", so der Präsident. Wald sei ein teures Gut, es habe hohe Anlagewerte. Wegen der Kalamitätensteuer kaufe sich ein Bankier keinen Wald, sondern weil er ihn sich einfach leisten wolle.

Leistungen für die Gesellschaft

Schenker hält es für notwendig, in dieser Diskussion auch grundlegende Tatsachen in Erinnerung zu rufen: "Kaum ein anderer Steuerpflichtiger hat solche Leistungen für die Gesellschaft zu erbringen wie die Waldbesitzer. Sie sorgen für die Erholungsfunktion und die ausgezeichnete Wasserqualität, für die Landschaft sowie für das Klima. Kein anderer Steuerpflichtiger wird gleichzeitig in diesem Ausmaß durch Schadstoff-Emissionen geschädigt wie der Waldbesitzer. Leider werden die Emissionen auch nach der jüngsten Klimakonferenz wieder nicht spürbar gesenkt."
(Schluss) kam

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