"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Teurer Stillstand" (Von Gabriele Starck)

Ausgabe vom 16. 8. 2001

Innsbruck (OTS) - Auch der zweite Versuch von LR Christa Gangl
(SP) ist gescheitert: Die Planung und Errichtung einer zentralen Müllverbrennungsanlage an die Tiwag zu vergeben, glückte ihr auch am gestrigen Feiertag nicht. Drei Stunden dauerte die Regierungssitzung und heraus kam eine weitere mindestens dreimonatige Verzögerung. Schon im Juni war der Antrag in der Regierung durchgefallen. Zuerst müssten noch rechtliche Unsicherheiten geklärt und das Einverständnis der Abfallverbände, sprich der Gemeinden gesichert sein, hieß es damals.

Gleiches wiederholte sich gestern. Das Bekenntnis der Regierung zu einer zentralen Müllverbrennung für Tirol wurde trotz wachsender Kritik aus Wirtschaft und Opposition zwar wiederholt und eine grundsätzliche Zustimmung gegeben, die Tiwag direkt mit der Errichtung zu betrauen. Nach wie vor steht aber eine Einigung mit dem Gemeindeverband aus. Nach wie vor sind nicht alle rechtlichen Fragen geklärt. Was allerdings noch viel schwerer wiegt, ist der fehlende Standort: Die Akzeptanz in der Bevölkerung der potenziellen Standortgemeinden Kundl, Wörgl und Radfeld für die Müllverbrennung ist gleich Null. Ohne sie wird eine Festlegung politisch kaum möglich sein. Doch um Akzeptanz zu erhalten, wäre massive Information und Aufklärung schon vor langem nötig gewesen. Und damit wurde noch nicht einmal begonnen. LR Christa Gangl muss sich deshalb die Frage gefallen lassen, ob sie ihre Hausaufgaben in den vergangenen Monaten gemacht hat.

Angesichts der Altlastensanierungsbeiträge, die ab 2004 für unbehandelten Restmüll verdoppelt werden, könnten diese Versäumnisse für Herr und Frau Tiroler sehr teuer werden.

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