ÖAMTC fordert: In Tunnels sofort mehr Licht, bessere Absicherung und Beschilderung

Club bringt internationale Tunneltest-Erfahrung in Expertenkommission ein

Wien (ÖAMTC-Presse) - Als "graue Fahrt in schwarze Löcher" bezeichnet ÖAMTC-Verkehrschef Willy Matzke die Situation an vielen Tunneleinfahrten in Österreich. In der heute, Dienstag, im Verkehrsministerium tagenden Expertenrunde zur Tunnelsicherheit deponierte der ÖAMTC eine Reihe von Forderungen, die bisher unerfüllt sind oder sich an den Erkenntnissen der letzten Unfallserie orientieren. Der ÖAMTC stützt sich bei seinen Forderungen auch auf seine große internationale Erfahrung. So hat der Club seit 1999 70 Großtunnels in ganz Europa mit einem internationalen Expertenteam getestet, 30 weitere Tunnels werden folgen.

Als Sofortmassnahmen fordert der ÖAMTC im Wesentlichen drei Punkte:

1) Mehr Licht:
Endlich die vorhandene Beleuchtung voll aufdrehen, auch jene, außerhalb der Tunnelportale. Im Tunnelinneren soll eine farblich abgestimmte und besonders helle Beleuchtung der Abstellnischen die Monotonie unterbrechen.

2) Bessere Beschilderung:
Rechtzeitig vor Tunnels müsste endlich eine Beschilderung mit großen Symboltafeln (wie in Italien) erfolgen. Der Hinweis auf Gegenverkehr muss deutlicher sein, automatische Tempowarner und eine automatische Hitzekontrolle gehören eingebaut (wird beim Mont Blanc-Tunnel derzeit installiert). Es gibt noch immer kein einziges telematisches Display vor Tunnels, auf dem alle Hinweise zusammengefasst sein könnten.

Portale sollten grell gekennzeichnet sein, graue Wände sind zu wenig. Außerdem hätte ein weiterführender Pannenstreifen im nur 300 m langen Reigersdorftunnel die Auswirkungen der Bus-Karambolage deutlich minimiert.

3) Mittelabsicherung:
Geeignete Absicherungen gegenüber dem Gegenverkehr müssen installiert werden.

4) Brandübungen und Feuerlöscher:
Nachdem im Gleinalmtunnel nur eine einzige Person den vorerst sehr kleinen Glimmbrand zu löschen versucht hat, regt der ÖAMTC an, Löschübungen wie Erste Hilfe-Kurse in die Fahrausbildung aufzunehmen und in den Tunnels die Hinweise zu verstärken, wo überall große Feuerlöscher für Jedermann zugänglich im Tunnel lagern. Außerdem fordert der Club Betriebfeuerwehren an den Tunnelportalen.

Einen internationalen Vergleich der Tunnelsicherheit hat der ÖAMTC mit europäischen Experten schon vor drei Jahren begonnen. "Diese Praxiserfahrung gemeinsam mit den Tunnelbetreibern brachte uns große Erkenntnisse", so ÖAMTC-Experte Matzke, "wir sehen daher die Tunnelproblematik nicht als reines Zahlenspiel mit Unfalltoten am grünen Tisch."

ÖAMTC erneuert Forderung nach zusätzlicher "Tunnel-Milliarde"

Der ÖAMTC erneuerte beim Expertentreffen zur "Tunnelsicherheit" im Verkehrsministerium heute Dienstag, nochmals seine Forderung nach einer zusätzlichen "Tunnel-Milliarde" pro Jahr um eine raschere Realisierung der zweiten Tunnelröhren im hochrangigen Netz (vor allem bei Tauern-, Katschberg-, Herzogberg- und Ganzstein-Tunnel) in Angriff nehmen zu können. Bis 2010 sind zwar ohnedies 10 Milliarden Schilling vorgesehen, aber durch diese zusätzliche "Tunnel-Milliarde" könnte der Ausbau im Idealfall bereits 2005 abgeschlossen sein.

Abgesehen von den Sicherheitsargumenten rechnet sich eine solche Initiative auch volkswirtschaftlich durch die Vermeidung von Staukosten. Dazu ein Beispiel: ein Nadelöhr wie der einröhrige Tauern-Tunnel löst in einer einzigen Hauptreisesaison (im Sommer) durch Staus, Blockabfertigung, Zwischenfälle etc. Zahlungen in der Größenordnung von rund 1,1 Milliarden Schilling aus. Demgegenüber stehen Gesamtkosten für die zweiten Röhren bei Tauern- und Katschberg-Tunnel in der Größenordnung von 3 Milliarden Schilling.

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