Greenpeace vermutet EdF-Zuschlag für CEZ-Privatisierung

AKW Temelin darf kein politischer Fetisch für CZ-Regierung sein

Wien (OTS) - Nach der Mitteilung des deutschen Atomstromkonzerns E.ON, den tschechischen Strommonopolisten CEZ nur ohne das Risiko-AKW Temelin zu kaufen, vermutet Greenpeace, dass der französische Atomstromriese EdF den Zuschlag bekommen könnte. "Es verdichten sich für uns die Hinweise, dass speziell das tschechische Industrieministerium die Fortführung des Betriebs von Temelin als Bedingung für den Kauf der CEZ vorsieht", befürchtet Greenpeace-Energieexperte Erwin Mayer. Während die Kauf-Ablehnung durch die E.ON die betriebswirtschaftliche Unrentabilität von Temelin bestätigt, hat die EdF informell zu verstehen gegeben, dass sie Temelin jedenfalls weiter in Betrieb halten wolle, um den Zuschlag durch die tschechische Regierung zu erhalten. "Temelin darf nicht wider die wirtschaftliche Vernunft als politischer Fetisch künstlich am Leben erhalten werden", fordert Mayer vom tschechischen Industrieminister Gregr.

Sowohl in Europa als auch in den Beitrittsländern zur EU gibt es aufgrund der Liberalisierung und Öffnung der Strommärkte bedeutende Überkapazitäten, die vor allem "neue" Kraftwerke wie das AKW Temelin unrentabel machen. Anders verhält es sich mit alten, unsicheren und abgeschriebenen AKW wie z. B. Dukovany, die billigen Atomstrom auf Kosten der Sicherheit produzieren können. Speziell bei dem AKW Temelin kommt hinzu, dass es bisher knapp 30 Störfälle gegeben hat und ein dauerhaft störungsfreier Betrieb höchst unwahrscheinlich erscheint. Daher will die E.ON die CEZ nur ohne das unrentable AKW Temelin erwerben, das zudem das Image der E.ON beschädigen würde.

Weil Temelin daher wegen seiner Unwirtschaftlichkeit höchstwahrscheinlich von privaten Stromkonzernen geschlossen werden müsste, versucht die tschechische Regierung im Zuge der Privatisierung die CEZ inklusive Temelin mitzuverkaufen. Die EdF würde im Gegensatz zur E.ON das unrentable Temelin dennoch mitkaufen, weil sie sich durch den Ankauf des tschechischen Stromnetzes und der Übernahme des tschechischen Marktes große Profitchancen erwarten, die die Altlast Temelin aufwiegen.

Die Aufrüstung des AKW Temelin auf deutsches Sicherheitsniveau, wie es wiederholt von der österreichischen Bundesregierung im Zuge des Melker Prozesses als Bedingung für den vorläufigen Abschluss des Energiekapitels mit Tschechien formuliert wurde, kostet mehrere Milliarden Kronen und würde ökonomisch die Schließung Temelins bedeuten. Greenpeace fordert weiter die Abhaltung einer Volksabstimmung zu einem umfassenden Anti-Atomgesetz, das auch den Nichtabschluss des Energiekapitels mit Tschechien ohne Schließung Temelins beinhaltet.

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