ÖAMTC erneuert Forderung nach zusätzlicher "Tunnel-Milliarde"

Gleinalmtunnel-Unfall zeigt: Einröhrige Tunnels sind "tickende Zeitbomben"

Wien (ÖAMTC-Presse) - Der katastrophale Unfall im Gleinalmtunnel hat leider wieder einmal die Gewissheit gebracht, dass einröhrige Tunnels an Gefährlichkeit unübertroffen und wirklich "tickende Zeitbomben" sind. Der ÖAMTC fragt sich, was noch passieren muss, damit ein rascherer Bau der zweiten Tunnelröhren im hochrangigen Straßennetz in Angriff genommen wird. Der Club erneuert in diesem Zusammenhang seine Forderung nach einer zusätzlichen "Tunnel-Milliarde" pro Jahr zur Realisierung dieses Zieles. Die 600 Millionen Schilling, die die Asfinag in verbesserte Notfallmaßnahmen, Beleuchtung und Belüftung investiert, sind zwar ein "positiver" Ansatz, aber für den ÖAMTC nicht ausreichend.

Der ÖAMTC hat bereits 70 Tunnel in Europa getestet

Seit den schweren Tunnelunfällen im Mont Blanc- (März 99: 39 Tote) bzw. Tauern-Tunnel (Mai 99: 12 Tote) führen die europäischen Schwesterclubs des ÖAMTC mit externen Experten Tunneltests durch. Insgesamt wurden 70 Tunnel in 10 Ländern, davon 20 österreichische getestet (u.a. Tauern-, Arlberg-,
Pfänder-, Bosruck-, Karawanken-, Gleinalm-, Katschberg-Tunnel). Der Gleinalmtunnel erhielt im Jahr 1999 die Note "bedenklich" und wurde bisher leider nicht wesentlich verbessert.

Die Bilanz der bisherigen Tätigkeit und die Forderungen des ÖAMTC:

1. Zum einen zeigen die Tunneltests und die breite öffentliche Diskussion Wirkung. Die Asfinag hat - nicht zuletzt unter dem Eindruck der kritischen Ergebnisse der ÖAMTC-Tests - ein 5-Jahresprogramm zur Verbesserung der Tunnelsicherheit gestartet, bei dem bis 600 Millionen Schilling zusätzlich in verbesserte Notfallmaßnahmen, Beleuchtung, Belüftung etc. investiert werden.

2. Trotz dieser positiven Ansätze fordert der ÖAMTC zusätzliche Mittel - und zwar eine "Tunnel-Milliarde" jährlich - um eine raschere Realisierung der zweiten Tunnelröhren im hochrangigen Netz (nicht nur beim Gleinalmtunnel, sondern vor allem bei Tauern-, Katschberg-, Herzogberg- und Ganzstein-Tunnel) in Angriff nehmen zu können. Bis 2010 sind zwar ohnedies 10 Milliarden Schilling vorgesehen, aber durch diese zusätzliche Tunnel-Milliarde könnte der Ausbau im Idealfall bereits 2005 abgeschlossen sein. Abgesehen von den Sicherheitsargumenten - ein Frontalzusammenstoss wie gestern im Gleinalmtunnel würde der Vergangenheit angehören - rechnet sich eine solche Initiative auch volkswirtschaftlich durch die Vermeidung von Staukosten. Dazu ein Beispiel: ein Nadelöhr wie der einröhrige Tauern-Tunnel löst in einer einzigen Hauptreisesaison (im Sommer) durch Staus, Blockabfertigung, Zwischenfälle etc. Zahlungen in der Größenordnung von rund 1,1 Milliarden Schilling aus. Demgegenüber stehen Gesamtkosten für die zweiten Röhren bei Tauern- und Katschberg-Tunnel in der Größenordnung von 3 Milliarden Schilling.

3. Der ÖAMTC erwartet außerdem von der EU eine Richtlinie, die festschreibt, dass Tunnels mit hohem Verkehrsaufkommen regelmäßig und ohne Ankündigung objektiv auf deren Sicherheit hin überprüft werden müssen.

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ÖAMTC-Pressestelle/Hannes Kerschl

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