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"Presse"-Kommentar: Nicht nur auf Urlaub: Volkspartei (von Andreas Unterberger)

Ausgabe vom 6. August 2001

Wien (OTS). Ist es mehr als ein Gerücht, daß es die ÖVP noch gibt? Daß sie
Parteiobmann, Stellvertreter, gar eine Generalsekretärin hat?
Gäbe es diese Funktionsträger, dann wären sie doch gewiß längst mit Feuer und Flamme dreingefahren bei all den Dingen, die da passieren. Etwa bei dem peinlichen Genua-Zickzack der Außenministerin zwischen extremen Positionen. Zuerst läßt sie sich zu Vorverurteilungen hinreißen (die einer Ministerin genausowenig zustehen wie dem mit umgekehrten Vorzeichen vorverurteilenden Herrn Voggenhuber) und plaudert aus Polizeiakten; dann aktiviert sie unter Druck der Achse ORF_Grüne für die inhaftierten Österreicher eine Solidaritätswelle, die es in dieser Intensität sonst für keinen im Ausland in Haft oder in Polizeibrutalitäten geratenden Österreicher gibt. Und niemand hilft ihr, die richtigen Worte und die ruhigen Nerven zu finden.
Ist solcher Nachhilfeunterricht wirklich so schwer?
Noch dringender bräuchten den die ÖVP-Mannen in Tirol, die seit Monaten eine neue Schlacht am Bergisel austragen. Da werden (übrigens so wie einst gegen Leopold Maderthaner) gegen Ferdinand Eberle Gschichterln aus der allertiefsten Schublade in die Öffentlichkeit gespielt. Gewiß, Eberle ist wie Maderthaner ein Politiker Modell Uralt. Aber Watschentänze dieser Art sind noch viel ältere Folklore.
Sieht die VP-Spitze da keinen Handlungsbedarf - oder kann sie sich nicht durchsetzen? Beides spricht gegen sie.
Eindeutig gescheitert sind Wolfgang Schüssel & Co. bereits an zwei anderen Landespolitikern, die beide die Bundespartei zum Gelächter vorführen: in Nieder- und Oberösterreich. Der Semmering des einen heißt beim anderen Temelín. Beide Male tobt derselbe hemmungslose Populismus ohne Rücksicht, wie lächerlich in einem Fall der Rechtsstaat gemacht wird und wie sehr man Österreich im anderen international in eine ausweglose Lage stößt.
Man wartet und wartet. Aber der Donnerkeil bleibt aus, der die Eberles, Weingartners, Pühringers oder Prölls zur Räson bringt. Er wird aber auch nach Ende der Urlaubszeit nicht kommen: Denn in Wahrheit halten sich in der ÖVP seit jeher die Länderfürsten einen Parteiobmann. Und nicht umgekehrt.

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