Natura 2000 im Burgenland - hartnäckige Löcher im Schutzgebietsnetz

Wien (OTS) - Die heute von der Burgenländischen Landesregierung bekannt gegebene Nachnominierung von zwei Vogelschutzgebieten für das EU-weite Schutzgebietsnetz Natura 2000 schließt noch nicht alle Lücken. BirdLife Österreich fordert, daß auch das nordöstliche Leithagebirge zu einem EU-Vogelschutzgebiet wird. Doch die Nominierung des Leithagebirges scheitert nach wie vor an den Straßenbauplänen der Landesregierung.

Die Grundlagen

Mit dem Beitritt zur Europäischen Union im Jahr 1995 hätten die österreichischen Bundesländer gemäß der EU-Vogelschutz-Richtlinie Schutzgebiete für eine Reihe gefährdeter Vogelarten festlegen müssen. Die Grundlagen für eine fachlich gerechtfertigte Ausweisung dieser Gebiete liegen längst auf dem Tisch: Bereits 1995 haben BirdLife Österreich und das Umweltbundesamt die Liste der für den Vogelschutz wichtigsten Gebiete Österreichs herausgegeben: Die Important Bird Areas (= IBAs) . Diese werden auch von der EU-Kommission und dem EuGH als die Grundlage für die Nominierung von Schutzgebieten nach der EU-Vogelschutz-Richtlinie angesehen. Auch die Burgenländische Landesregierung orientierte sich bei ihren bisherigen Schutzgebiets-Festlegungen an dieser Liste.

Wo bleibt das Leithagebirge?

Von den sieben burgenländischen IBAs sind seit heute sechs vollständig oder teilweise ausgewiesen - eines aber noch gar nicht:
das nordöstliche Leithagebirge. Dieses Gebiet beherbergt bedeutende Populationen schützenswerter Vogelarten, vor allem Ziegenmelker, Sperbergrasmücke und auch den Wachtelkönig. Für den Ziegenmelker ist es eines der wichtigsten österreichischen Brutgebiete. Die Ausweisung von EU-Vogelschutzgebieten hat ausschließlich nach vogelkundlichen Kriterien zu erfolgen. In diesem Fall ist aber die geplante Neutrassierung der B50 zwischen Jois und Eisenstadt der Grund für die Nichtausweisung durch die Landesregierung. Erst nach Festlegung der neuen Straßentrasse, die durch sensible Gebiete des Leithagebirges führen könnte, soll über das Vogelschutzgebiet entschieden werden. Diese Vorgangsweise steht im klaren Widerspruch zum EU-Recht und der geltenden Rechtsprechung durch den EuGH. BirdLife fordert daher Landeshauptmann Niessl auf, dafür zu sorgen, daß den EU-Naturschutz-Richtlinien Rechnung getragen und das Gebiet endlich für Natura 2000 nominiert wird. "Die Nichtausweisung des Gebietes erspart der Landesregierung ohnehin nicht, eine Verträglichkeitsprüfung nach EU-Recht für eine Leithagebirgstrasse durchzuführen," stellt Dr. Andreas Ranner, Geschäftsführer von BirdLife klar, "sie ist vielmehr ein anhaltender Verstoß gegen die Vogelschutz-Richtlinie."

Die zwei Neuen

Die Ausweisung eines Schutzgebietes im Bereich des IBA Mattersburg ist für den Artenschutz von großer Bedeutung: das Gebiet beherbergt eine von nur zwei größeren Populationen der Zwergohreule in Österreich. "Damit wurde ein wichtiger Schritt zur Erhaltung dieser Eulenart in Österreich gesetzt", so Ranner erfreut.

Noch unzureichend ist jedoch die Abgrenzung des Vogelschutzgebietes im Bereich der IBAs Parndorfer Platte -Heideboden. Bedeutende Vorkommen von verschiedenen Greifvögeln, der Sumpfohreule oder des Brachpiepers - nach EU-Recht schützenswerte und in Österreich hochgradig gefährdete Vogelarten - sind hier noch nicht abgedeckt. Die Landesregierung hat sich zu einer zukünftigen Ausweitung des Gebietes bekannt, BirdLife wird sehr darauf drängen, daß diese auch erfolgt.

Rückfragen & Kontakt:

BirdLife Österreich
Dr. Andreas Ranner
Tel. 01 523 46 51 oder 0676 618 9511.

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