Greenpeace gegen Legalisierung von Gentech-Verunreinigungen in Saatgut

Greenpeace fordert "Null-Toleranz" für Gentech-Saatgut

Wien (OTS) - Mit massiver Kritik reagierte Greenpeace heute auf
den Vorschlag von Minister Haupt, Grenzwerte für gentechnische Verunreinigungen von Saatgut einzuführen. Haupt schlägt nun überraschend Grenzwerte von 0,5% für zugelassene und 0,1% für nicht zugelassene Gentech-Sorten vor. "Noch vor wenigen Tagen hat Minister Haupt einen Bescheid gegen die Firma Pioneer erlassen, weil diese Saatgut verkauft hat, das unter 0,1% mit in Österreich zum Anbau nicht zugelassenem Gentech-Mais verunreinigt war. Auch hat sich Haupt klar gegen Grenzwerte für nicht zugelassene Gentech-Pflanzen ausgesprochen. Nun will er Gentech-Verunreinigungen, die er als ökologisch bedenklich einstuft, plötzlich legalisieren", zeigte sich Thomas Fertl, Gentechnik-Experte von Greenpeace, verwundert. "Damit würde Haupt auch Tür und Tor für unbekannte, in der EU bzw. Österreich niemals auf ihre Unbedenklichkeit für Umwelt und Mensch untersuchte Gentech-Produkte öffnen. Der Vorschlag von Minister Haupt ist aus ökologischer Sicht daher inakzeptabel. Wir fordern im Interesse der Umwelt, der Konsumenten und der Bauern eine "Null Toleranz" für in Österreich nicht zum Anbau zugelassene Gentech-Sorten", so Fertl weiter.

Greenpeace hatte Anfang Mai aufgedeckt, dass gentechnisch verunreinigtes Mais-Saatgut der Firma Pioneer in Österreich verkauft wird. Nach Angaben von Minister Molterer wurden heuer insgesamt über 200 Tonnen gentechnisch verunreinigtes Saatgut in Österreich in Verkehr gebracht - was einer Anbaufläche von etwa 7000 Hektar entspricht. Dabei handelt es sich zum Großteil um Verunreinigungen mit in der EU, nicht aber in Österreich zugelassene Sorten und um Verunreinigungen kleiner 0,1%.

Minister Haupt hat nach langem Zögern am 9. Juli einen Bescheid gegen die Firma Pioneer erlassen, obwohl die Gentech-Verunreinigung kleiner als 0,1% war. Die Begründung: "Bei diesen Mengen ist eine Gefährdung der Umwelt, insbesondere durch Auswirkungen des Pollenfluges auf schützenswerte Nichtzielorganismen nicht auszuschließen". Auch hat Minister Haupt in der Fernsehsendung "Report" vom 17.7.2001 klargestellt, dass Verunreinigungen mit nicht evaluierten Produkten nicht zugelassen werden können, weil hier die Gefahr und die Umweltauswirkungen nicht abgeschätzt werden können.

"Der Haupt-Vorschlag bedeutet im Klartext, dass in Zukunft jedes 1000te Korn im Saatgut auch von Gentech-Sorten stammen darf, die in der EU bzw. Österreich nicht untersucht wurden", erläuterte Fertl. "Auch der Grenzwert für Verunreinigungen mit zugelassenen Gentech-Pflanzen ist abzulehnen. Wer Gentechnik-freies Saatgut will, soll es auch erhalten. Wir fordern Minister Haupt auf, dieser Ankündigung nachzukommen und eine "Null Toleranz" gesetzlich zu verankern", betonte Fertl.

"Die Behauptung des Ministers, dass gentechnische Verunreinigungen von unter 0,1% nicht nachweisbar wären ist völlig absurd. Die staatliche Saatgutbehörde hat derartige Nachweise heuer immer wieder erbracht", so Fertl abschließend.

Rückfragen & Kontakt:

Matthias Schickhofer, Pressestelle
Greenpeace Österreich
Tel. 01-5454580-44 bzw. 0676-7309786
Mag. Thomas Fertl, Gentechnik-Experte
Greenpeace Österreich,
Tel. 01-5454580-24 bzw. 0664-4904986

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | GRP/OTS