Pressestimmen/Vorausmeldung/Drogen "Neue Kärntner Tageszeitung" - Kommentar: "Kopfgeld" gegen Dealer

Ausgae vom 25. Juli 2001 Klagenfurt (OTS) - "Kopfgeld" gegen Dealer - Die Drogenproblematik zwischen Krankheit zum Tode und Schwerstkriminalität kann nicht ernst genug genommen werden. Und gerade deshalb sind bei diesem Thema alle Versuche politischer Kleinmünzerei und populistischer Quacksalberei auf das Entschiedenste zurückzuweisen. Durch Kopfgeldjägerei ist nicht einmal im Wilden Westen auch nur ein einziges Problem gelöst worden. Der österreichische Drogenbericht des Innenministers mag viele aufgerüttelt, aber nur wenige wachgerüttelt haben. Gerhard Köfer, Bürgermeister von Spittal/Drau, sah sich durch den Bericht jedenfalls zu einer "spektakulären Aktion" veranlasst. Er lobt 5000 Schilling "Kopfgeld" (offizielle Bezeichnung) für jeden im Bereich der Bezirkshauptstadt denunzierten Drogendealer aus. Eine eigene Stelle für ‚anonyme Hinweise’soll geschaffen werden. Das ist alles natürlich reiner Populismus plattester Prägung. Mit "Kopfgeld" und Denunziantenhonorar aus Steuermitteln ist weder der Schwerstkriminalität noch der Sucht Jugendlicher beizukommen. Das weiß jeder Dorfgendarm. Wenn die FPÖ "lebenslang" für extreme Drogendealer fordert, dann hat das auch etwas mit Populismus zu tun, der sich aber zumindest darum bemüht, den Schein der Rechtsstaatlichkeit zu wahren. Über die Sinnhaftigkeit von "lebenslang" kann man diskutieren, über "Kopfgeld" nicht. Denunziation und Kopfgeld liegen außerhalb demokratischer Rechtsnormen. Und außerhalb dieser Normen ist der angestrebte Schutz der Kinder illusorisch.

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