Lebensmittelindustrie für 2001 verhalten optimistisch

Exportsituation weiter verbessert - Trendwende in Reichweite?

Wien (PWK531) - "Die heimische Lebensmittelindustrie hat ein weiteres schwieriges Jahr hinter sich. Die Art, wie die Unternehmer auf die Herausforderungen reagiert haben, macht uns jedoch für die Zukunft wieder verhalten optimistisch", sagte Michael Blass, Geschäftsführer des Fachverbandes der Nahrungs- und Genussmittelindustrie in der Wirtschaftskammer Österreich, bei der Jahrespressekonferenz seines Verbandes.

Die rund 260 Mitgliedsbetriebe konnten trotz eines sehr schwierigen Umfeldes im Jahr 2000 einen Produktionswert (abgesetzte Produktion) von 73,6 Mrd Schilling erwirtschaften, was gegenüber 1999 einem Rückgang von 0,9 % entspricht.

Die zunehmende Konzentration im heimischen Handel bleibt für die Branche das Dauerthema. Notwendige Preiserhöhungen sind angesichts des tobenden Preiskampfes der "Handelsriesen" kaum möglich, was sich in einem permanenten Druck auf die Erzeugerpreise äußert. Stark gebeutelt wurde die Branche im Jahr 2000 durch den belgischen "Dioxin-Skandal", der sich auf alle EU-Exporteure negativ auswirkte, durch den Hormonstreit der USA mit Europa, die Krise rund um BSE sowie weitere kostenintensive Auflagen beim Export von landwirtschaftlichen Verarbeitungserzeugnissen in Drittstaaten (Exportbescheinigungen).

Marktanteilsverluste und fehlende Margen auf den Heimmärkten führten dazu, dass viele Betriebe verstärkte Exportanstrengungen einerseits auf den Märkten der Europäischen Union und andererseits auf Drittlandsmärkten der EU unternahmen.

Im gesamten Agraraußenhandel (Zollkapitel 1 bis 24) stiegen die Exporte von 42,7 Mrd öS im Jahr 1999 auf 47,1 Mrd öS (+ 10,3 %). 55,6 % dieser Agrarexporte sind dem Bereich der Erzeugnisse der Nahrungsmittelindustrie, Getränke, alkoholischen Flüssigkeiten, Essig und Tabak (Zollkapitel 16 bis 24) zuzuordnen, der gegenüber 1999 einen Anstieg um erfreuliche 11,3 % auf 26,2 Mrd öS erreichen konnte.

Das traditionelle Defizit der österreichischen Agraraußenhandelsbilanz konnte dadurch spürbar um 10,9 % von 15,9 Mrd öS im Jahr 1999 auf 14,2 Mrd öS reduziert werden. Dieses - noch immer hohe - Außenhandelsbilanzdefizit ist vor allem darauf zurückzuführen, dass agrarische Erzeugnisse, die in Österreich aufgrund der klimatischen Bedingungen nicht gedeihen (z.B. Südfrüchte, Kakao, Kaffee, Reis usw.) importiert werden müssen.

Insbesondere bei den Verarbeitungserzeugnissen mit einem hohen Wertschöpfungsgrad (Nicht Anhang I-Waren) z.B. Backwaren, Fruchtjoghurt, Süßwaren, Limonaden und Energy Drinks war die Branche auf den internationalen Märkten sehr erfolgreich. Die Exporte kletterten um 13,7 % auf 16,7 Mrd Schilling. Bei den alkoholfreien Erfrischungsgetränken (Energy Drinks, Eistees und Limonaden) war sogar eine Steigerung von fast 25% möglich. Die seit 1999 positive Außenhandelsbilanz in diesem für die Lebensmittelindustrie wichtigen Bereich konnte durch diese Erfolge um mehr als 2 Mrd öS weiter verbessert werden und liegt nun bei beachtlichen + 3,3 Mrd öS.

"Die Erfolge unserer Firmen beim Export dürfen jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Lage auf dem Heimmarkt, der das Rückgrat für unseren Umsatz bleibt, immer schwieriger wird", stellte Blass fest. Dies zeigt sich auch an der weiterhin leicht sinkenden Zahl der Mitgliedsbetriebe (-1,9 % im Jahr 2000) und dem Rückgang der Beschäftigten (-1,1 % auf 29.021).

Was die weitere Entwicklung der Branche im laufenden Jahr betrifft, so ist Fachverbandsgeschäftsführer Blass trotz einer deutlichen Abkühlung der Konjunktur verhalten optimistisch, was die Lebensmittelindustrie betrifft. Die Exporte dürften sich vor allem im Getränke- und Süßwarenbereich in die EU und nach Osteuropa weiterhin gut entwickeln. Auch die Erholung des österreichischen Winter- und Sommertourismus wird sich positiv auf viele Bereiche der Lebensmittelindustrie auswirken. Der für 2001 erwartete positive Trend der österreichischen Lebensmittelindustrie werde mittelfristig jedoch nur durch zusätzliche Maßnahmen fortzuführen sein, sagte Blass und appelliert an die zuständigen Behörden im Rahmen von Export-, Technologie- und Innovationsoffensiven, die heimische Lebensmittelindustrie bei ihren Bemühungen tatkräftig zu unterstützen.

Im verstärkten Bewusstsein der österreichischen Bevölkerung gegenüber der Lebensmittelsicherheit sieht Blass für die Zukunft grundsätzlich positive Effekte für die gute österreichische Qualität der Lebensmittel. Sorgen bereitet dem Fachverbandsgeschäftsführer allerdings die weitere Konzentration im heimischen Lebensmittelhandel: "Da wird der Preiskrieg auf dem Rücken der Lieferanten ausgetragen. Doch den Kampf nach unten kann niemand gewinnen". Davon abgesehen werden insbesondere die für die Obstveredelungsindustrie wichtigen Rohwaren zu Verteuerungen der Fertigprodukte führen müssen, denn in zahlreichen Anbaugebieten haben Trockenheit und Frost bereits zu Ernteausfällen geführt.

Josef Domschitz, Referatsleiter für Zoll und Wirtschaft im Fachverband, erläuterte, dass dank gemeinsamer Initiativen mit der Zollverwaltung österreichische Lebensmittelexporteure gegenüber Mitbewerbern in anderen EU-Ländern einen klaren Vorsprung haben, wenn es darum geht, die von Brüssel für EU-Exporteure zur Verfügung gestellten Hilfen zum Ausgleich von Nachteilen auf dem Weltmarkt nutzbar zu machen. Weil die Preise für landwirtschaftliche Rohstoffe und Erzeugnisse in der EU oft erheblich teurer sind als am Weltmarkt, können sich Unternehmen bei der Ausfuhr von Fertigwaren, die solche Rohstoffe enthalten, in Drittländern den Differenzbetrag rückerstatten lassen.

Das "Ausfuhrerstattungsverfahren" ist allerdings extrem kompliziert. Viele Firmen im EU-Ausland schrecken daher vor der Bürokratie zurück. Der österreichische Fachverband hat deshalb in den vergangenen Jahren eine Reihe von Schulungen organisiert und durchgeführt. Der Erfolg:
Im Jahr 2000 wurden insgesamt 872 Mio öS an Ausfuhrerstattungen ausbezahlt. Trotz erheblichen Gegenwindes (Einführung von administrativ aufwendigen Exportbescheinigungen) konnten gerade die Erzeuger von landwirtschaftlichen Verarbeitungsprodukten ihre Exporte im Rahmen dieses Verfahrens weiter ausbauen. Rund 80 österreichische Exportbetriebe schafften es bereits, mehr als eine Viertel Milliarde Schilling aus Brüssel zurückzuholen. (MH)

Rückfragen & Kontakt:

Presseabteilung
Tel.: (01) 50105-4431
Fax: (01) 50105-263
e-mail: presse@wko.at
http://www.wko.at/Presse

Wirtschaftskammer Österreich

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | PWK/PWK