"profil": Ertragsengpässe bei Libro bereits im Frühjahr 2000 erkennbar gewesen

Planzahlen im Jahresverlauf 2000 deutlich unterschritten -Kreditlinien im August gekappt - Ex-Vorstandschef Rettberg drohen Schadenersatzforderungen

Wien (OTS) - Wie das Nachrichtenmagazin "profil" in seiner Montag erscheinenden Ausgabe berichtet, zeichnete sich die Krise der insolventen Medienhandelsgruppe Libro AG bereits im Frühjahr 2000 ab. Berichte des Libro-Rechnungswesens dokumentieren, dass die budgetierten Planzahlen für das Wirtschaftsjahr 2000/2001 (endete zum 28. Februar 2001) bereits im ersten Quartal deutlich verfehlt wurden.

So lag der Umsatz nach dem ersten ersten drei Monaten um 15% unter Plan, die Kosten um 5% darüber. Das Ergebnisziel war zu diesem Zeitpunkt um 130% verfehlt worden. Bereits im Mai prognostizierte das Rechnungswesen laut "profil" für das Gesamtjahr einen Verlust von 500 Mio. S. Ex-Vorstandsvorsitzender André Rettberg soll die Zahlen zu diesem Zeitpunkt jedoch nach Aussage eines involvierten Managers als "Quatsch" abgetan haben.

Bis einschließlich Juli 2000 fuhr die Libro-Gruppe in weiterer Folge ein negatives Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen (EBITDA) von minus 400 Mio. S. ein. Die Prognosen für das Gesamtjahr mussten daraufhin laut "profil" auf einen Verlust von mehr als 1 Mrd. S. Minus korrigiert werden. Rettberg selbst hatte noch bis ins Frühjahr 2001 hinein Gewinne prognostiziert.

Wie das Magazin weiter berichtet, befürchteten offensichtlich auch einzelne Banken bereits relativ früh Probleme. So ließ die Bank für Tirol und Vorarlberg im August 2000 einen offenen und jederzeit abrufbaren Kreditrahmen in der Höhe von 400 Mio S. ohne Vorwarnung sperren.

Ex-Vorstand Rettberg sieht sich nun mit dem Vorwurf konfrontiert, die Öffentlichkeit nur unzureichend über die Lage von Libro informiert zu haben.

Sollten sich die Vorwürfe gegen André Rettberg erhärten, könnten dem früheren Libro-Chef beträchtliche Schadenersatzforderungen drohen.

Bei der außerordentlichen Hauptversammlung am 8. August will eine Aktionärsgruppe um den Wiener Wirtschaftsanwalt Wolfgang Leitner eine aktienrechtliche Sonderprüfung beantragen. Der von den Banken mit der Vertretung der Libro-Aktienmehrheit betraute Wirtschaftsprüfer Gottwald Kranebitter hat laut "profil" bereits seine Unterstützung signalisiert.

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"profil"-Redaktion

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