EU-Forschungsgelder lukrieren - eine Schwäche Österreichs

Offensive der Ludwig Boltzmann Gesellschaft - Jetzt mit BIT eine "Last- minute" Initiative, damit mehr EU-Forschungsgelder nach Österreich fließen

Wien (OTS) - Österreichs Wissenschaftler und Unternehmer greifen
zu selten in den EU-Förderungstopf für Forschung. Die Schätzungen über das "brach liegende" Potential belaufen sich auf mehrere hundert Millionen Schilling. Das soll sich ändern. Die Ludwig Boltzmann Gesellschaft, der insgesamt 135 Forschungsinstitute in ganz Österreich angeschlossen sind, startet daher mit dem "Büro für Internationale Forschungs- und Technologiekooperationen", kurz BIT genannt, eine Initiative. Ziel ist es, mehr "Körberlgeld" aus dem 5. und 6. EU-Rahmenprogramm für Forschung zu lukrieren. Dotiert sind diese Förderungsprogramme mit 15 bis 17 Milliarden Euro. +++

Die Zuweisung der Forschungsgelder erfolgt nicht nach einem gewissen Prozentsatz pro Land, sondern danach, wie attraktiv ein Projekt ist. Deshalb hängt das mögliche Förderungspotential ausschließlich von der Qualität der grenzüberschreitenden Forschungsprojekte ab. Das Problem der zu geringen Nutzung vorhandener Förderungen lag bisher nach Ansicht von Experten ausschließlich daran, daß schlichtweg zu wenig Anträge auf Unterstützung gestellt wurden. Daher flossen zwischen 1994-1998 (4. EU-Rahmenprogramm) "nur" rund 85 % der ursprünglich entrichteten "Eintrittsgebühr" wieder nach Österreich zurück - an die Wirtschaft und diverse Forschungsstätten. Insgesamt waren das 2,5 Milliarden Schilling. "Ein erfreulicher Start, aber mit Sicherheit keine Maximalvariante. Es hätten durchaus auch 150 % sein können", meint der Vizepräsident der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, Dr. Ferdinand MAIER.

BIT und LBG starten "Last minute"Initiave

Für das 5. EU-Rahmenprogramm, das formal Ende 2002 ausläuft, können noch wichtige und lukrative Antragsfristen zur Förderung von Forschungsprojekten genutzt werden. "Diese wollen wir für die österreichische Wissenschaft an Land ziehen. Eine Verdoppelung oder Verdreifachung der durch die EU geförderten Forschungsaktivitäten in Österreich ist aufgrund der gegebenen exzellenten Standards durchaus im Bereich des Möglichen" (MAIER). Die neue Führung der Ludwig Boltzmann Gesellschaft sieht durch derartige Initiativen beachtliche Chancen gegeben, die Dotierung der Forschungstätigkeit signifikant zu erhöhen. "Mittelfristig wollen wir durch entsprechende Serviceleistungen erreichen, dass die vorhandenen Potentiale wesentlich besser als bisher ausgeschöpft werden". Das Interesse spricht Bände.

Mehr als 70 Primarii und Institutsleiter (von insgesamt 135 LBG-Instituten) folgten der Einladung von Präsident Dr. Christian KONRAD zur einer "Last-minute"-Veranstaltung, bei der BIT-Geschäftsführer Dipl. Ing. Manfred HORVATH und dessen Stellvertreterin Dr. Sabine HERLITSCHKA über alle Schritte informierten, die die Nutzung von EU-Geldern aus dem 5. Rahmenprogramm ermöglichen. Aber auch hinsichtlich des 6. EU-Rahmenprogrammes, das mit Ende 2002 gestartet wird.

Speziell für das 6. Rahmenprogramm wird die von der LBG-Führung angestrebte Clusterbildung und grenzüberschreitende Vernetzungen mit anderen Forschungsstellen äußerst nützlich sein. 75 % der 17 Milliarden Euro sollen - das ist als Zielsetzung bereits definiert -größeren Forschungsprojekten und größeren "Netzwerken" zugute kommen.

Attraktives Stipendienprogramm - weitgehend ungenutzt

"Während österreichische Unternehmen und Forschungsstellen in manchen Bereichen durchaus erfolgreich EU-Forschungsgelder lukrieren - wie z.B. im Neurobereich, in der Altersforschung, in der Landwirtschaft oder im Lebensmittelbereich - gibt es leider auch Förderungsangebote, die bislang weitgehend ungenutzt blieben. Dazu zählt etwa das Stipendienprogramm". Nach Einschätzung MAIERS eine "äußerst attraktive Förderung für Forschungsinstitute vom Zuschnitt der Ludwig Boltzmann Gesellschaft, die viel zu wenig in Anspruch genommen worden ist".

Kern des Programmes "Post Docs" ist, dass Stipendiaten, die für ein Forschungsprojekt oder dessen Vorbereitung zugesprochen werden, von der EU für die Dauer von zwei Jahren finanziert werden. Die Uni-Absolventen erhalten monatlich 2.200 Euro netto. Zusätzlich erhält die jeweilige Forschungsstelle bis zu 1.200 Euro monatlich für Overheads. Die Erfolgsquote der Anträge liegt bei beachtlichen 40 Prozent. D.h., fast jeder 2. Antrag auf einen Stipendiaten wird genehmigt und finanziert.

Workshops im August

Bereits im August werden von der Ludwig Boltzmann Gesellschaft drei Workshops angeboten - mit den Schwerpunkten "Antragstellung", "Stipendienprogramm" und "Projektmanagement". Vielfach resignieren nämlich laut Dr. Ferdinand MAIER Institutsleiter und Primarii, weil sie den zeitlichen Aufwand für Anträge - auch aufgrund von Informationsdefiziten - scheuen. "Das werden wir ändern und setzen alles daran, dass Österreich verstärkt EU- Gelder abholt". Schließlich sei die Finanzierung durch Drittmittel immer schon ein tragender Erfolgsfaktor für die Ludwig Boltzmann Gesellschaft gewesen. Jetzt wolle man - gemeinsam mit dem BIT - dafür sorgen, daß auch wesentlich mehr Forschungsgelder der EU nach Österreich fließen, als bisher. ++++

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