Kommentar - WirtschaftsBlatt -

"Die Flaute ist da - endlich" von Herbert Geyer -

Wien (OTS) - Only Bad News is Good News, lautet ein alter journalistischer Leitspruch, der offenbar auch für Konjunkturprognosen gilt. Jedenfalls vermittelten IV-General Lorenz Fritz und sein oberster Ökonom Erhard Fürst geradezu den Eindruck, sie suhlten sich in den schlechten Neuigkeiten (siehe Bericht oben). Mag sein, dass diese Lust an der schlechten Nachricht ein wenig mit der kommenden Lohnrunde zu tun hat: Einem offensichtlich Nackerten kann selbst die wildeste Gewerkschaft nicht in den Sack greifen. Aber die Schwarzseherei hat bei Konjunkturumfragen System: Schon vor einem Jahr, als der Himmel voller Geigen hing, die Exporte von Rekord zu Rekord eilten und die Steuerreform den Konsum in lichte Höhen trieb, gestanden die Befragten der IV-Umfrage zwar einen hervorragenden Geschäftsgang ein, sahen aber schon für das nächste halbe Jahr düster. Bis zur Dezember-Umfrage war davon nichts zu bemerken: Nach wie vor tolle Geschäftsergebnisse - aber schwarze Zukunftsaussichten. Jetzt ist die angekündigte Flaute offenbar wirklich da - endlich. Denn schon beim nächsten Mal könnten die Unternehmer, die von der IV um ihre Meinung gebeten werden, sagen: Im Moment läuft¹s nicht gar so toll, aber jetzt kann¹s eigentlich nur noch aufwärts gehen. Für die reale Wirtschaft wäre das nicht unerheblich. Denn der Glaube an eine bestimmte Entwicklung wirkt sich auf die reale Wirtschaft viel stärker aus als die viel zitierten Einflüsse aus den USA: Wer an ein Nachlassen der Konjunktur glaubt, verschiebt alle nicht unbedingt benötigten Investitionen, verzichtet auf zusätzliche Personalaufnahmen, reduziert die Lager - kurz: Er dämpft ganz real die Konjunktur. Wer aber an den Aufschwung glaubt, zieht Investitionen vor, sichert sich das nötige Personal und füllt die Lager, um steigenden Preisen zuvor zu kommen. Die Wirtschaft hat es also zu einem Gutteil selbst in der Hand, ihre Konjunktur zu gestalten - wenn sie den nötigen Optimismus aufbringt. In der Realität ist das leider eher nicht zu erwarten: Seit die IV ihre Umfragen veröffentlicht, waren nur ein einziges Mal die Erwartungen für die nächsten sechs Monate besser als die jeweilige Einschätzung der momentanen Konjunktur.

Pessimismus scheint ein Wesenszug der österreichischen Unternehmer zu sein. (Schluss) hg

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