"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Hoffnung für alle?" (Von Monika Dajc)

Ausgabe vom 19. 7. 2001

Innsbruck (OTS) - Ein Ziel haben moderate und rabiate Globalisierungsgegner vielleicht schon erreicht: Die von Politikern so oft und gerne angesprochenen "Menschen draußen, für die wir Verantwortung tragen", werden die Ergebnisse von Genua vielleicht doch einer genaueren Betrachtung unterziehen. Wo kommt man wirklich über wohlfeile Absichtserklärungen hinaus? Bei welchem Streitthema -von den Impulsen für die Wirtschaft bis zum Schlachtfeld Nahost -führt der direkte Meinungsaustausch tatsächlich weiter?

Die Schlusskommuniques sind über weite Strecken bereits formuliert - mit optimistischem Unterton, wie es heißt. Die Zuversicht kann UNO-Generalsekertär Kofi Annan freilich noch nicht teilen. Er will beim Gipfel konkrete Zusagen erhalten -für einen Welt-Gesundheitsfonds mit der vorrangigen Aufgabe des Kampfes gegen AIDS und andere Infektionskrankheiten. Es geht sieben bis zehn Milliarden Dollar. Angeboten sind 1,5 Milliarden.

Um wirklich zu überzeugen, sich während eines Wochenendes als weise Weltenlenker zu profilieren, bedarf es für Bush und Co. gewaltiger Anstrengungen. Giscard d'Estaing, der 1975 mit dem deutschen Kanzler Helmut Schmidt die Gipfel der führenden westlichen Industrienationen als regen Gedankenaustausch zu wichtigen Fragen ersann, streut seinen Erben keine Rosen. Die Veranstaltungen, so der Franzose, seien unter dem Motto "je prächtiger und protziger, desto besser zu riesigen Spektakeln verkommen".

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