ÖGB-Frauen: Mazal-Vorschlag auf das schärfste zurückgewiesen

Werden kinderlose Frauen nun durch längeres Arbeiten bestraft?

Wien (ÖGB) "Wir weisen den Vorschlag von Wolfgang Mazal, kinderlose Frauen sollen nicht früher als Männer in Pension gehen dürfen, auf das schärfste zurück. Nicht nur Frauen mit Kindern, auch kinderlose Frauen sind auf dem Arbeitsmarkt mit vielfältigen Benachteiligungen konfrontiert. Dies hat der Gesetzgeber 1992 erkannt und deshalb verfügt, dass das Pensionsantrittsalter der Frauen nur langfristig an jenes der Männer angehoben werden soll und gleichzeitig dafür gesorgt werden muss, dass Frauen am Arbeitsmarkt tatsächlich gleiche Chancen vorfinden", ist Sylvia Ledwinka, Bundesfrauensekretärin des ÖGB, über die Äußerungen von Wolfgang Mazal im heutigen Standard empört. ++++

Sogar eine vom Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit beauftragte Studie aus dem vergangenen Jahr zeige deutlich, dass selbst jene Frauen, die ihre Lebensplanung bewusst auf die Karriere ausgerichtet hätten, gegenüber ihren männlichen Kollegen ins Hintertreffen gerieten. Ledwinka: "Die Einkommensungleichheit beginnt bereits beim Berufseinstieg und setzt sich im Laufe der Erwerbstätigkeit fort." Das belege auch die Ministeriums-Studie deutlich, wo das Einkommen der Männer, die 1977 in das Berufsleben eingestiegen sind und seither 20 Jahre ununterbrochen erwerbstätig waren, mit dem Einkommen von Frauen, die ebenfalls 1977 erwerbstätig wurden und dann ohne Unterbrechung gearbeitet haben, verglichen wurde. Das Ergebnis: Die Männer konnten ihr Einkommen um insgesamt 427 Prozent steigern, die Frauen um 313 Prozent. "Wo bitte bleibt da das Privileg kinderloser Frauen, von dem Mazal spricht?", meint die ÖGB-Frauensekretärin.

Besonders zynisch findet die Bundesfrauensekretärin zudem die Versuche, die Frauen "in gute, das sind jene die Mütter sind, und weniger gute, also die Kinderlosen", auseinanderzudividieren. Ledwinka dazu: "Mit allen Mitteln versucht die Bundesregierung ihr konservatives, rückwärtsgewandtes Familienmodell der Gesellschaft aufzwingen. Das war bei der beitragsfreien Mitversicherung in der Krankenversicherung der Fall, die ja für all jene Frauen, die keine Kinder geboren haben, beseitigt wurde, und das droht nun offensichtlich auch bei den Pensionen." Die ÖGB-Frauen verwehren sich gegen diese Politik. Frauen müssten eigenständig für sich entscheiden können, ob sie Kinder bekommen oder nicht. "und diejenigen, die kein Kind bekommen - aus welchem Grund auch immer - dürfen nicht bestraft werden", so Ledwinka abschließend. (mfr)

ÖGB, 17. Juli 2001
Nr. 629

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