Wien: 17 Prozent höhere Einkommen als in anderen Bundesländern

Rieder präsentiert Studie über Entwicklung der Einkommensverteilung

Wien, (OTS) "Österreich und Wien haben im internationalen Vergleich eine extrem gleichmäßige Einkommensverteilung und eine der weltweit niedrigsten Armutsraten", berichtete Wiens Finanz- und Wirtschaftsstadtrat Vizebürgermeister Dr. Sepp RIEDER am Dienstag im Rahmen des Pressegesprächs des Bürgermeisters, in der die Studie "Entwicklung der Einkommensdisparität in Wien zwischen 1981 und 1999" präsentiert wurde. "Sowohl die Entwicklung der Einkommensdisparität als auch der Armutsquote ist vor allem auch vor dem Hintergrund der starken Zuwanderung zu Beginn der 90er Jahre zu sehen." Rieder weiter: "Trotz des immer noch ausgezeichneten Ergebnisses ist im Beobachtungszeitraum ein gegenläufiger Trend, also ein Auseinanderdriften zwischen ärmeren und reicheren Bevölkerungsgruppen, zu beobachten", so Rieder. "Unsere Aufgabe ist es daher, diesem Trend - soweit dies auf Ebene der Bundesländer möglich ist - entgegen zu wirken. Schließlich ist sozialer Friede, auf dem unsere Gesellschaft aufbaut, nur bei einer möglichst gleichmäßigen Verteilung finanzieller Mittel auf alle Bevölkerungsgruppen auf Dauer aufrecht zu erhalten."

Im Mittelpunkt stünden dabei arbeitsmarkt- und wohnungspolitische Initiativen, so Rieder. "Auch wenn Wien nach wie vor eine der weltweit sozial ausgewogensten Millionenstädte ist, müssen wir alles daran setzen, um diesem Trend des Auseinanderdriftens entgegenzuwirken. Vor diesem Hintergrund warnte Rieder erneut vor den Plänen der Bundesregierung, das Arbeitsmarktservice vollkommen zu zentralisieren. "Nur regional agierende AMS-Einheiten können rasch, effizient und punktgenau agieren", so Rieder, der Bundesminister Bartenstein erneut aufforderte, seine AMS-Reformpläne zurückzunehmen.

Im Mittelpunkt der Studie, die vom "SRZ Stadt + Regionalwissenschaftlichem Zentrum" erstellt wurde, stand die Entwicklung der Einkommensdisparität in Wien zwischen 1981 und 1999, wobei auch die gesamtösterreichische Situation betrachtet wurde. Sämtliche Analysen beziehen sich auf die Netto-Pro-Kopf-Einkommen, selbstständig Erwerbstätige sind dabei nicht berücksichtigt.

Die Ergebnisse der Studie: Einkommensunterschiede nehmen zu Wien: 17 Prozent höhere Einkommen als in den anderen Bundesländern

Von 1981 bis 1999 nahm die Einkommensdisparität in Wien um 27 Prozent zu, in den anderen Bundesländern um 29 Prozent. Im Detail:
Der mittlere Einkommensabstand zwischen einkommensschwächeren und einkommensstärkeren Haushalten lag in Wien im Jahr 1981 bei jährlich 109.000 öS, im Jahr 1999 bei 138.000 öS. (+ 27 Prozent) In den anderen Bundesländern wuchs dieser Einkommensunterschied von 96.000 öS auf 121.000 öS (+29 Prozent). Wien hat damit eine um 22 Prozent ungleichere Einkommensverteilung als die anderen Bundesländer.

Allerdings ist das durchschnittliche Wiener Haushaltsnettoeinkommen pro Kopf immer noch um 17 Prozent höher als im Rest von Österreich.

Das durchschnittliche monatliche Nettoeinkommensniveau
in Wien betrug 1999:

o 15.600 öS (ohne Urlaubs- und Weihnachtsgeld und Kinderbehilfe,

ohne selbstständig Erwerbstätige)
o Durchschnittliches Haushaltseinkommen: 23.400 öS

(ohne selbstständig Erwerbstätige)
o Durchschnittlich verfügbare Haushaltseinkommen 19.800 öS

(Haushaltseinkommen minus Wohnungskosten)
o Durchschnittlich verfügbares Haushaltseinkommen pro Kopf 12.600

öS
o Durchschnittlich verfügbares Haushaltseinkommen pro Kopf im

einkommensschwächsten Zehntel weniger als 7.600 öS
o Durchschnittlich verfügbares Haushaltseinkommen pro Kopf

im einkommensstärksten Zehntel mehr als 23.500 öS
o Durchschnittliche Haushaltsgröße 1,6 Personen

Wien im Bundesländervergleich

Die Bundeshauptstadt hat als einzige Großstadt und Konjunkturmotor Österreichs in fast allen Bereichen bessere Werte aufzuweisen als die anderen Bundesländer. So liegt das persönliche Nettoeinkommen um 11 Prozent, das Haushaltseinkommen pro Kopf um 17 Prozent, das verfügbare Haushaltseinkommen pro Kopf um 7 Prozent, das durchschnittliche Haushaltseinkommen pro Kopf der einkommensschwächsten 10 Prozent der Bevölkerung um 11 Prozent und das Haushaltseinkommen pro Kopf der bestverdienenden 10 Prozent um 15 Prozent über den Durchschnittswerten der anderen Bundesländer.

Die Armutsquote in Wien ist um 2,6 Prozentpunkte niedriger als in den anderen Bundesländern.

Einkommensverteilung im internationalen Vergleich

Österreich und Wien liegen damit in einer von der Weltbank herausgegebenen Studie (World Development Report des Jahres 2000) an erster Stelle, was Wohlstand und Einkommensverteilung anbelangt. Untersucht wurden dabei über 100 Volkswirtschaften mit jeweils mehr als 1,5 Millionen Einwohnern. Ergebnis ist, dass das Pro-Kopf-Einkommen der einkommensschwächsten 10 Prozent der Bevölkerung im Vergleich zur Gruppe der "Bestverdiener" sehr hoch ist. Das heißt, der Unterschied zwischen den Ärmsten und den Reichsten ist in Österreich unter allen untersuchten Ländern am geringsten. Damit erzielen wir bessere Resultate als die nordamerikanischen Staaten, und liegen auch vor reichen Ländern wie der Schweiz und Norwegen.

Gleichzeitig liegt das Pro-Kopf-Einkommen des wohlhabendsten Teiles der österreichischen Bevölkerung in etwa im EU-Durchschnitt und damit hinter den Werten von Norwegen, der Schweiz oder Nordamerika.

Wien: Sehr niedere Armutsquote und keine Gettoisierung

Laut Studie ist die Gruppe jener Menschen, die von Armut betroffen ist, in Wien besonders gering. Für Wien ergibt sich ein Wert von 7 Prozent, in den übrigen österreichischen Bundesländer sind durchschnittlich 9,6 Prozent betroffen. Die Armutsquote errechnet sich laut Studie als Anteil der Haushalte mit einem Pro-Kopf-Einkommen unter der Hälfte des Mittelwerts aller heimischen Pro-Kopf-Einkommen, wobei dies im Jahr 1999 absolut weniger als 6.375 öS waren. Damit liegt Wien im vordersten Spitzenfeld aller Millionenstädte und lässt Städte wie München oder Hamburg hinter sich.

Auffallend dabei ist, dass in Österreich zwei gegenläufige Trends registriert wurden. War in Wien - ausgehend von einem extrem niedrigen Niveau - die Armutsquote im Steigen begriffen, so sinkt die Quote in den anderen Bundesländern. Zurückzuführen ist dies auf verschiedene Faktoren, unter anderem auch auf den in den letzten Jahren Platz greifenden Strukturwandel, vor allem in großen Städten weg von der Sachgüterproduktion hin zum Dienstleistungssektor mit zunehmend Teilzeitbeschäftigten oder geringfügig Beschäftigten.

Ein weiterer Faktor dafür ist die starke Zuwanderung zu Beginn der 90er Jahre. Auffallend dabei ist jedoch, dass es in Wien durch verschiedenste politische Maßnahmen gelungen ist, jegliche Gettoisierung zu verhindern. Die Analyse der Pro-Kopf-Einkommen auf Bezirksebene weist auf eine starke soziale Durchmischung, somit eine geringe soziale Segregation hin. Es konnten auch keine Tendenzen in diese Richtung festgestellt werden.

Wiener verdienen mehr, zahlen aber mehr für die Wohnung

Aufgrund des in Großstädten allgemeinen Trends zu höheren Wohnungskosten vermindert sich das Wohlstandsgefälle in Bezug auf das verfügbare Einkommen (Gesamteinkommen minus Wohnungskosten) zwischen Wien und den Bundesländern stärker als beim Gesamteinkommen. Beträgt der Einkommensvorsprung beim Gesamteinkommen pro Kopf im Jahr 1999 noch 90 Prozent des Ergebnisses aus dem Jahr 1981, so geht dieser Wert beim verfügbaren Einkommen auf nur 43 Prozent des Ausgangswertes zurück.

Weitere interessante Ergebnisse

o Gegliedert nach Haushaltstypen verfügen die kinderlosen

Haushalte mit 17.800 öS über das höchste Nettoeinkommen.
o Den höchsten Zuwachs im Zeitraum 1981 bis 1999 verzeichneten

Pensionistenhaushalte mit + 47 Prozent. (von 9.935 auf 14.597
öS)
o Betrachtet nach Berufsgruppen verfügen die öffentlich

Bediensteten 1999 mit 17.550 öS über das höchste Nettoeinkommen pro Kopf (ohne selbstständig Erwerbstätige), in dieser Gruppe gab es auch die geringste Zunahme der Einkommensdisparitäten.
o Nach Wohnungssektoren verfügen Haushalte in Eigentumswohnungen

1999 mit 16.874 öS über das höchste Nettoeinkommen pro Kopf.

Studienersteller

Die Studie "Entwicklung der Einkommensdisparität in Wien zwischen 1981 und 1999" wurde im Auftrag der Magistratsabteilung 26 und mit Förderungsmittel der Stadt Wien vom "SRZ Stadt + Regionalwissenschaftlichen Zentrum" erstellt. Die Autoren sind Karl Czasny und Gerhart Bständig. (Schluss) mmr/

Rückfragen & Kontakt:

www.wien.at/vtx/vtx-rk-xlink/
Martin Ritzmaier
Tel.: 4000/81 855
e-mail: martin.ritzmaier@gfw.magwien.gv.atPID-Rathauskorrespondenz:

OTS-ORIGINALTEXT UNTER AUSSCHLIESSLICHER INHALTLICHER VERANTWORTUNG DES AUSSENDERS | NRK/NRK