Antoni: Bildungspolitik zentraler Schwachpunkt der Regierung

SPÖ für gesetzlichen Auftrag an Schulen zur Qualitätsentwicklung

Wien (SK) "Bildungspolitik ist nicht zentraler Schwerpunkt, sondern zentraler Schwachpunkt dieser Bundesregierung", konstatierte SPÖ-Bildungssprecher Dieter Antoni am Dienstag in einer Pressekonferenz. Die Bildungspolitik der Regierung beschränke sich auf Abbau von Lehrpersonal, was auf Kosten der Bildungsqualität gehe, begründete Antoni seine Kritik. "Wir stecken in einem enormen Reformstau, und Bildungsministerin Gehrer weiß nicht, wie man herauskommt." Die SPÖ tritt daher für eine Schulqualitätsoffonsive ein, insbesondere für eine Aufwertung der Schulpartnerschaft, für die Einführung der kooperativen Mittelschule und für eine Oberstufenreform, erklärte Antoni. ****

Antoni wies darauf hin, dass etwa 50.000 SchülerInnen heuer Wiederholungprüpfungen absolvieren müssten, es sei damit zu rechnen, dass ca. 30.000 das Schuljahr wiederholen müssen. Es sei kein Beitrag zum lebensbegleitenden Lernen, wenn Schülern die "Rote Karte" gezeigt werde, nur weil sie vielleicht in einem Fach nicht entsprochen haben. Der Bildungssprecher hielt zudem fest, dass mindestens zehn Prozent der SchülerInnen im Bereich der Oberstufe nicht in jene Schulen gehen wollen, die sie eigentlich präferieren würden. Konkret sei etwa in Wien die Zahl jener, die an eine Technische Schule möchten, doppelt so hoch wie die Zahl der vorhandenen Ausbildungsplätze. Das bedeute, dass Schüler oftmals nicht in jene Schulen gehen könnten, die ihren Qualitäten entgegenkommen würde. Das sei dann auch in vielen Fällen der Grund dafür, dass diese Schüler an einer anderen Schule durchfallen. Nicht zuletzt deshalb fordert die SPÖ eine Aufstockung des Lehrpersonals und auch mehr Raumkapazität an den Schulen.

Zentrale Forderung der SPÖ zur Beendigung des Reformstaus in der Bildungspolitik sei der gesetzliche Auftrag (SCHOG) an den Schulen zur Qualitätsentwicklung. Dabei sei die gesamte Organisationseinheit "Schule" zu erfassen und die Verantwortungsbereiche aller Schulpartner festzuhalten und zu beschreiben (Schulleiter, LehrerInnen, SchlerInnen, Eltern). Im Mittelpunkte müsse eine Aufwertung der Schulpartnerschaft stehen, so der Bildungssprecher.

Um den einzelnen Bundesländern die Möglichkeit zu geben, die Formen der Sekundarstufe 1 entsprechend der spezifischen soziologischen und regionalen Struktur auswählen zu können, sei dringend notwendig, neben der Hauptschule und der Unterstufe der AHS eine dritte Form, nämlich die "Kooperative Mittelschule", im Schulorganisationsgesetz vorzusehen, betonte Antoni weiters. Das Modell der "Kooperativen Mittelschule" - eine Kombination von Hauptschule und AHS - sei bereits im Herbst 1999 von allen im Wiener Stadtschulrat vertretenen Fraktionen beschlossen worden. Dieses Schulmodell sei keine Gesamtschule, stelle aber eine gute organisatorische Antwort auf die Probleme der Schulen in großen Ballungszentren dar und biete den Schülerinnen und Schülern mehr Chancen durch individuelles Lernen. Dadurch werde auch eine bessere soziale Durchlässigkeit und ein Funktionieren des Schulwesens garantiert. Dieses Schulmodell sei eine attraktive Alternative in der Angebotspalette an Schulformen für Ballungsgebiete.

Im Zusaamenhang mit der Forderung nach einer Oberstufenreform hielt Antoni fest, dass die Schüler mehr ernst genommen werden müssten. Derzeit würde die strenge Typendifferenzierung in der Sekundarstufe II (Oberstufe AHS) und eine enge Organisationsstruktur den individuellen Ansprüchen der SchülerInnen nicht Rechnung tragen. Abhilfe schaffen könne man durch das Anbieten von Modulen. Dies würde den SchülerInnen ermöglichen, Schwerpunkte zu setzen. Antoni äußerte abschließend sein Bedauern, dass aufgrund der starren Haltung der Regierung monatelang nur über Verhaltensvereinbarungen diskutiert wurde. So könne es jedenfalls in der Bildungspolitik nicht weitergehen, dafür sei diese "ein viel zu hohes Gut", sagte der Bildungssprecher abschließend. (Schluss) ps

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