"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Bush gegen alle" (Von Floo Weißmann)

Ausgabe vom 17. 7. 2001

Innsbruck (OTS) - Die Vereinigten Staaten sind im Begriff, sich weltpoltisch zunehmend zu isolieren. Im Namen des nationalen Interesses hat die einstige Führungsmacht unter dem neuen Präsidenten George W. Bush eine Bremserrolle übernommen.

Erste weltweite Schritte zum Klimaschutz drohen zu scheitern, weil der größte Produzent von Treibhausgasen ungestört weiter die Atmosphäre verpesten will. Und das nukleare Gleichgewicht gerät ins Wanken - mit derzeit unabsehbaren Folgen -, weil die einzige Supermacht internationale Verträge ignoriert.

Washington zeigt in diesen Tagen unverblümter als sonst, dass es zwar gerne internationale Institutionen für eigene Zwecke bemüht, sich ansonsten aber nicht darum schert. Die Wende ist allerdings in der Praxis weniger dramatisch, als es scheint. Auch die nach außen kompromissbereitere Clinton-Regierung musste sich ihre globalen Visionen zuhause von einer konservativen Kongressmehrheit verstümmeln lassen. Und Bush hat es seit ein paar Wochen mit einer widerspenstigen demokratischen Mehrheit im Senat zu tun.

Für die Welt bleibt die bittere Erkenntnis, dass die Supermacht es sich schlicht leisten kann und sich auch nicht scheut, Bündnisparter vor den Kopf zu stoßen. Gleichzeitig wird Bush mit seinem Kurs ungewollt zum Entwicklungshelfer neuer Koalitionen. Kaum ein Thema eint die Europäer nach außen so sehr wie die Klimapolitik. Und die amerikanischen Raketenpläne haben sogar die eifernden Nachbarn Russland und China auf einen gemeinsamen Nenner gebracht.

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