"Tiroler Tageszeitung" Kommentar: "Vor dem Kollaps" (von Christa Hofer)

Ausgabe vom 16. 7. 2001

Innsbruck (OTS) - Die Ausgangslage für die heute beginnende Klimaschutzkonferenz in Bonn könnte nicht verheerender sein. Nachdem Präsident George W. Bush den Ausstieg der USA aus dem Kyoto-Protokoll verkündet hat, droht das Klimaschutzabkommen nun endgültig zu scheitern. Das Protokoll von 1997 kann nur in Kraft treten, wenn es von 55 Industriestaaten ratifiziert wird, die zusammen 55 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verursachen. Ohne die USA müssen aber Japan und Russland das Abkommen unterzeichnen. Ob Japan jedoch im Boot bleibt, ist unklar. Zu sehr ist seine Wirtschaft an jene der USA gekoppelt. Auch hat Regierungschef Koizumi Anfang Juli in den USA erklärt, keine Klima-Vereinbarung ohne die Zustimmung Washingtons zu unterzeichnen.

Egal wie das Ergebnis in Bonn aussieht, das Weltklima als Verlierer steht bereits fest: Die Klimaerwärmung ist ein globales Problem und kann nur global bekämpft werden. Wie dies ohne die USA, die alleine 25 Prozent der weltweiten Emissionen verursachen, geschehen soll, ist fraglich. Real hingegen sind bereits die Veränderungen des Weltklimas.

Bei der Konferenz in Bonn drohen das endgültige Scheitern oder die Ratifizierung eines verwässerten Kyoto-Protokolls. Beides wäre eine Katastrophe. Gefragt ist echtes Engagement von allen Staaten in Sachen Klimaschutz. Auch wenn es einfacher ist, in Legislaturperioden zu denken und die Probleme auf künftige Generationen zu schieben. Denen dürfte dann aber bereits das Wasser bis zum Hals stehen.

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