"Kleine Zeitung" Kommentar: "Nicht-Blauer" (von Ulrich Stocker)

Ausgabe vom 14.07.2001

Graz (OTS) - Ob Karl-Heinz Grasser ein guter Finanzminister ist, lässt sich nach 18 Monaten nicht beurteilen. Die Eindrücke sind mitten in der "Ära" zwiespältig.

Mit persönlichem Charme hat Grasser anfangs die Beamten seines Ressorts auf seine Seite gebracht. Dann ist er zeitweise der eigenen PR als Supermann zum Opfer gefallen, hat sich als solcher gefühlt und aufgeführt. Bürokratische Formeln mussten in Budgetreden als "Vision" herhalten.

Dass er sich jetzt zum "Nicht-Garanten" für die allumfassende Steuerreform 2003 erklärt, spricht dafür, dass er die Bodenhaftung mit der Realität bewahrt hat.

Dass Grasser mit der Unabschätzbarkeit künftiger Faktoren herumgeredet hat, ist verständlich. Der Sinn seiner Botschaft war eindeutig: "Nein" - außer Oberflächen-Kosmetik.

Das ist ehrlich gut. Illusionisten an der Staatskasse kann sich nur die Opposition leisten. Real wird schlicht saldiert zwischen Ein- und Ausgängen.

Ein Blauer, der nicht wider besseres Wissen das Blaue vom Himmel verspricht - das heißt fürs Erste: Haltung. Bewahren und erhalten wird sich Grasser das Prädikat erst, wenn es im heißen Wahlkampf hart auf hart geht. Die Nagelprobe kommt noch. ****

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